Ticket nach irgendwo

Irland 21.6 --28.6.2014 489 Irland 21.6 --28.6.2014 500„Ich habe nichts gegen das Reisen, im Gegenteil: Ein junger Mensch soll sich umsehen in der Welt, damit er seinen Platz findet….
Das Reisen an sich darf nie aufhören, sonst fällt der Mensch in den Stillstand, das Ziel seiner Reisen aber muss sich ändern. Irgendwann ist das Glück nicht mehr draußen in der Welt zu finden, sondern drin im Menschen – dann muss er erkennen, dass das Weglaufen nichts bringt. Er muss in sein Herz schauen und in sich selbst einen Kontinent aufbauen.“

aus: Die Sache mit dem Ich von Marc Fischer.

Sätze aus der letzten Geschichte, aus der letzten Reportage und zwar der, die mir am liebsten war. Die Gefahr ins Esoterische abzurutschen oder in die Welt der Kalendersprüche ist groß, aber soweit kommt es nie. Es ist die letzte im Buch und weil es auch einen Schlussstrich setzt, vielleicht deshalb hallt sie so lange nach.
Und weil es mich umtreibt. Das Reisen, dass immer ein Aufbruch ist und Neuanfang und manchmal auch Flucht, das Wegfahren müssen, um Anzukommen, das schon da sein oder noch nicht ganz und wieder weg wollen.

Mutterreisen und Rollentausch

Irland 21.6 --28.6.2014 366Max Frisch, natürlich Max Frisch, hat etwas wunderbar Wahres gesagt über das Kennen des anderen und das Ende der Liebe. „Unsere Meinung, dass wir das andere kennen ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: Weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns.“

Gilt für die romantische Liebe. Die zu den Eltern ist da außen vorgenommen. Weil egal was passiert, man bleibt ja immer das Kind seiner Eltern.
Diese eine Sicherheit, die jeder Mensch doch braucht, egal wie alt. Ein letzter Rückzugsort, von dem es gut ist, um ihn zu wissen und ihn zu kennen, auch wenn man nicht in die Situation kommen möchte, ihn nutzen zu müssen.
Und da wären wir doch wieder bei Frisch, weil wen, wenn nicht seine Mutter, glaubt man zu kennen. Die Rollen wurde vor langer Zeit schon neu gemischt, schließlich macht ja jeder jetzt sein Ding und lebt sein leben,was aber nicht daran hindert, wieder in die alten zu fallen. In der längst vergangen Zeit des Zusammenlebens wurde festgelegt, wer auf die Unordnung hinweist, wer fragt, ob die Jacke nicht ein wenig dünn ist und ob man auch genug gegessen habe.

Es gibt kaum einen Menschen, der mich mit ein paar Fragen so schnell und leicht zur Weißglut treiben kann und an den ich doch gleichzeitig auch immer wieder denke, wenn es zuviel ist, um mich herum, weil – egal wie alt –  es tut doch immer gut, bemuttert zu werden und das kann eben auch nur eine so richtig gut.

Das gilt immer noch, aber es hat sich auch ganz leise gedreht. Kaum merklich. Die besorgten Fragen. Jetzt bin ich es, der sie stellt. Noch grundlos.
Was sind das für Tabletten, die du da nimmst? Du gehst schon wieder auf eine Beerdigung?

Es ist ein neues Gebiet, das man betritt, wenn man die eingespielten Rollen verlässt. Und das fällt leichter in einem Terrain, das für alle beide neu ist. Bei den kurzen Besuchen in der jeweiligen Welt des anderen gelingt das nicht. Da dauert es meist zwei Tage bis der Status Gast abhanden gekommen ist und dann fällt jeder wieder in alte Muster. Wie soll auch Neues entstehen auf alten Bahnen? Es gibt Hinweise zum korrekten Einräumen der Spülmaschine und viel Alltägliches und ein leichtes Genervtsein meinerseits, weil noch ein Handy zu erklären und wieder ein Computer anzuschließen ist.

Deshalb war der Plan: Neues Gebiet für beide. Irland in unserem Fall. Fünf Tage mit dem Mietwagen quer durch das Land. Umgeben von grünem Grün.
Und es war ein hervorragender Plan.

„Aber das ist doch keine Straße“ und „Glaubst Du wirklich, dass wir hier richtig sind?“ bilden die beste Grundlage, sich in den neuen Rollen einzufinden. Beide zurückgestellt auf Null. Weil keiner oder mal der eine, dann der andere weiß, wo es langgeht, das richtige Straßenschild zuerst gesehen hat oder besser erahnen kann, was das gällische Wort da bedeuten könnte. Und dann sind da noch die langen Fahrten auf sich dahinschlängelnden Küstenstraßen, die Fragen zulassen, für die sonst keine Zeit bleibt. Wenn es in den Telefonaten sonst darum geht, den Alltag abzugleichen, um Arztbesuche, den Fortschritt im Garten und das Neuste von der Familie geht, dann kann ich hier fragen, wie es für sie damals war, als jüngstes von fünf Kindern und ich erfahre einen kleinen Hauch von Träumen und Ängsten, die natürlich auch vorher schon da waren, aber es erzählt sich besser auf langen, mäandernden Landstraßen als in den Sonntagstelefonaten oder Kurzbesuchen. Es ist ja nichts Wichtiges und es sind auch nicht die großen Themen, aber sie lassen den Menschen, den ich so gut zu glauben kenne, in neuem Licht erscheinen. Ich entdecke Eigenschaften und sehe Züge an ihr und weiß nicht, ob sie neu hinzugekommen sind in den Jahren oder ich sie bisher einfach nicht gesehen habe. Die immer Fürsorgliche und ewig  Besorgte ist wagemutig und die, die immer an alle und jeden denkt, vergesslich.

Und ich suche noch das Wort für das Gefühl, das ich habe, wenn ich sie vom Bahnhof abhole und sie vor mir steht mit ihrem Koffer und auf ihre eigene Art und Weise sehr viel Mut. Dann will ich den Koffer in die Wohnung tragen, weil der Flieger erst am nächsten Morgen geht. „Nicht nötig“, sagt sie und holt einen Stoffbeutel aus ihrer Tasche. „Da ist alles drin, was ich für heute Nacht brauche.“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Und dann waren da die Diskussionen, ob das jetzt die richtige Abbiegung war und dass ich doch vielleicht ein wenig langsamer fahren sollte, aber das alles zählt nicht so viel, wie die eine lange Minute, nach der klar war, dass das laute Kratzen wohl die Steinmauer war und dass der Kotflügel nicht mehr ganz so gerade hängt und das, obwohl sie doch gesagt hatte, dass die Biegung zu steil und das, was in anderen Konstellationen jetzt für Streit und schlechte Luft sorgen würde, ist eben passiert, wie schon so vieles passiert ist in den letzten dreißig Jahren und da ist eine Wärme und so etwas wie Güte auf jeden Fall etwas menschlich sehr Großes, dass mir in den Pubertätswirren so nie aufgefallen wäre.

Und ob es Stolz ist oder das, was mir auf der Reise noch oft begegnen wird, Verwunderung, über diese neuen und anderen Seiten, die ich an ihr entdecken werde, ich weiß es nicht. Aber ich mag es. Auf eine neue Reise.
Es gibt noch viel unbekanntes Terrain zu entdecken. Soll keiner glauben, er wüsste wo es lang geht oder dass er den anderen kennt.
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50 shades of Grün

irland_MG_9918_MG_9975_MG_980814538225141_65920bb0b9_o_MG_9676_MG_9673Wie viel Grün verträgt das Auge? Die Farbe, die das Auge beruhigt, die Kräfte sammelt und Regeneration bringen soll. Sie soll das Auge nicht anstrengen, sondern stärken, weil es sich ausruhen kann. Urlaub in Irland. Das ist mehr Grün und so viel Grün und immer anderes Grün, dass nicht nur die Augen sondern auch der Rest des Menschen zur Ruhe kommt.
Eine Landschaft, die an die sattgrünen, mit Kunstgras überzogenen Berge von Spielzeugeisenbahnlandschaften erinnert. Das tiefgrüne, dunkle Moos und schillernde Farbenspiele. Das sind Felslandschaften und dazwischen das hellgrüne Gras. Gras, Gras und noch mehr Gras und nur die Schafe die dort grasen, weil das Land sonst nicht mehr hergibt. Das sind die Eichenwälder. Mächtige Bäume und dann wieder Farne.
So viel Grün in allen Nuancen.

Und wahrscheinlich hat sie abgefärbt, diese freundliche Farbe auf die Menschen. Wie freundlich und fröhlich sie sind. Wie vieles immer „lovely“ ist. Und ja, das ist es und ich kann mich daran nicht satthören. Alles ist lovely und das Wetter gleich heavenly und die Iren so zugewandt und gastfreundlich. Vielleicht weil sie zusammenhalten müssen, weil das Verhältnis Natur und Land zu Menschen so ungleich ist.

Das Land scheint so groß. Dabei ist es, das ja gar nicht. Aber die Natur ist so übermächtig, dass sie den Mensch zurechtstuzt. Ganz klein fühle ich mich, angesichts dieser mächtigen, weißen Klippen, dieser endlosen grünbemosten Bergketten und der steinigen Hügellandschaften. An der Küste entlangfahrend wechseln die Naturzustände vom Moorast zu Klippen zu steinigen Feldern und grasbewachsenen Hügeln und Wäldern. Das Wort Naturschauspiel ergibt erst hier einen Sinn, weil dieses Land mit allem aufwartet, was die Natur so zu bieten hat. Und es wird ein volles Programm geboten.

So viel Land, für so wenig Menschen, hat Heinrich Böll in seinem Irischen Tagebuch geschrieben. So viel Grün, für mich genau richtig.

 

der richtige Platz zur richtigen Zeit

einsteinNach einem Tag, der zu viel war, an dem alles zu schnell ging, den mein Kopf noch nicht verstanden und mein Herz noch nicht verdaut hat, genügt ein französisches Frühstück und ein Melange hier und es fällt zwar noch nicht wieder alles an seinen Platz, aber es ist schon ein wenig vorsortierter. Und dann kann man ja noch einen Melange bestellen, ein wenig warten, Listen schreiben, ein wenig lesen. Man kann dem Kulturkritikerpaar zur Rechten lauschen, die sich über Fördergelder und zu bemühte Sopranstimmen auslassen, den Herren in Anzügen zusehen, wie sie ihre Tagesgeschäfte beim Croissant regeln und zum Zahlen die Karte auf das Silbertablet schnalzen oder der mittelalten, sehr aufgeräumten Frau, die immer die Hand am Hinterkopf hält und man weiß nicht, ob um den Kopf zu stützen oder um sicherzustellen, dass der wohlgeföhnten Haarpracht nicht eine Strähne entwischt und spätestens dann merke ich, dass ich bei dem Tempo der Welt wieder mithalten kann, langsam lande und fast schon wieder angekommen bin.

Das Stammhaus ist bestimmt kein Geheimtipp. Aber es gibt Tage, da braucht es genau den nicht. Keine hippen Orte und wichtige Menschen mit nerdigen Brillen und dem Wissen über die neusten Trends, sondern weiche Lederbänke, dunkel gebeizte Holztische, einen Blick in den grünen Garten und den dritten Melange.
Was genau war nochmal das Problem?

Ich kann das alleine

mallorca - KopieEine Woche alleine sein. Nicht immer ganz alleine, aber die meiste Zeit. Das ist anfangs ungewohnt und ich werde immer ein wenig schräg beäugt dafür. Ob es denn an Freunden mangelt, das hängt ein wenig latent in der Luft. Nein, tut es nicht. Aber ich mag das alleine sein und das alleine reisen. Es ist eine selbst gewählte Einsamkeit und deshalb fühlt sie sich auch nicht einsam an. Es ist anstrengender, weil niemand zum anlehnen da ist, niemand, der einem alles abnimmt. Der andere ist oft doch auch eine Krücke und das Zusammenleben so in Fleisch und Blut übergegangen, dass das Zimmer und Haus für mich alleine zu haben, fast unverschämt wirkt. So viel Platz nicht gewohnt, so auf Rücksichtnahme trainiert, dass es sich die ersten Stunde anfühlt, wie ein zu großes Kleid. Es passt nicht und schlackert und nichts geht leicht von der Hand. Zurückgeworfen auf mich selbst bin ich dann und das ist ungewohnt und umständlich und nicht immer einfach anfangs, aber gut.
mallorca_3 - KopieUnd ich mag es, dass ich mich nur um mich kümmern muss. Ich esse, wann ich Lust habe zu essen und das worauf. Ich lege mich hin, wann immer mir danach ist. Ich bleibe im Museum so lange im Raum sitzen, wie es mir beliebt. Ich gehe nochmals um die Wegbiegung, die ich so schön fand und wenn es zehn Minuten braucht bis ich die richtige Einstellung der Kamera gefunden habe, dann stört es keinen Menschen. Ich verbreite gnadenlos sämtliche Schuhe und meinen Kofferinhalt in meinem Zimmer und vielleicht weil keiner da ist, den das stören könnte, packt mich irgendwann die Ordnungsliebe. Mal keine Rücksicht nehmen zu müssen, nach Herzenslust das zu tun, was ich will, alleine sein mit mir und meinen Gedanken. Da ist oft keine Stimmer außer der eigenen. Und doch habe ich mich selten so gut unterhalten. Einmal im Jahr. Fünf Tage.
mallorca_3Und ich zehre die restlichen 360 davon.

Papierparadies

_MG_9218 _MG_9220 _MG_9221 _MG_9223 _MG_9224Vom neuen Typehype in Berlin habe ich schon viel gehört und für alle, die den Weg dorthin finden, sollten die Straße noch ein Stück weiter herunter Richtung Volkstheater gehen. Dort gibt es den kleinen, feinen Laden Luiban. Mit allem, was man nicht braucht. Aber was so schön ist. Farbige Briefumschläge, Letterpresskarten, die schönen Füllfederhalter, von denen ich träume, Büroklammern in allen erdenklichen Formen, Maskingtape, Geschenkpapier und mehr muss ich nicht sagen.
In München gibt es das carta pura. Der Laden mit der schönsten Papierschaufensterauslage, die man sich vorstellen kann.

 

bereit für Berlin

berlinWas als Zwischenfazit geplant war, ist jetzt die Vorfreude auf ein nächstes Wochenende.

  • Lebensmittel in Mitte. Vielleicht sollte ich angesichts der immer noch latent vorherrschenden Berliner Schwabenfeindschaft nicht erzählen, dass ich hier war und die süddeutsche Küche wirklich vom Feinsten ist. Wiener hatte ich. Mit Kartoffelsalat. Aber allen Skeptikern sei gesagt: Selbst Herr Siebeck fand lobende Worte. Und diesen ist niemals nie etwas entgegenzusetzen.
  • Der Pianosalon ist ein unglaublicher, ein magischer Ort. Wo tagsüber Klaviere gebaut werden, werden abends Stühle aufgebaut, der Platz für eine Bühne freigeräumt, an der Wand hinten stehen Wein und Bier zur Selbstbedienung. Es gibt so viel zu sehen in dieser Fabrikhalle, in der von Hand Großes geschaffen wird und dann beginnt ein Konzert. Das sind meist ausgefallene Künstler, große sind dabei, weil die Klaviere auf denen sie hier spielen zur Extraklasse gehörten. Das sind Stücke, die nicht immer und überall gespielt werden. Aber das ist noch nicht genug: Es ist so intim, so nah. Die Musik zum Greifen. Nichts von kalten und sterilen Konzerthäusern, sondern die Wärme und Nähe dessen, was früher mal Hauskonzert hieß. Ein musikalischer Abend, der seinesgleichen sucht.
  • Im Glass war ich noch nicht, aber es steht auf meiner Liste. Und schon jetzt freue ich mich diebisch darauf den Nachtisch direkt vom Tisch zu essen.

Noch fünf Mal schlafen.

berlin - Kopie

Kinderkram

stepanini_blgo2Dass ich dort war, ist schon über ein Jahr her. Die Ausstellung ist schon lange vorbei. Aber sie hallt immer noch nach. Ich denke oft an sie zurück. Kinderkreuzzug von Martin Honert im Hamburger Bahnhof. Erinnerungen an die eigene Kindheit. Eine Reise zurück. Vor dem Tisch stehen, an dem der kleine Junge sitzt und wieder wissen, wie es ist, wenn diese Welt einfach zu groß ist. Im Film tauche ich manchmal noch ein. 3 Minuten 58 und bei Minute 1 auf Pause und wieder getroffen sein von diesem Kinderblick.

Buchboutique

119116Von außen ist diese Buchhandlung wie jede andere. Und würde ich nicht in diesem Viertel wohnen, vielleicht hätte ich sie nie besucht. Die Auswahl ist gut und sie ist schön verwinkelt, auf diese herrliche Art vollgestellt und heimelig klein. Aber was diesen Ort zu einem Besonderen macht, ist der Eigentümer. Ein hagerer, langer Mann, der in seiner Strickjacke genau hierher und nirgends anders hin gehört. Der manchmal Handschuhe trägt. Wegen der Druckerschwärze wohl. Aber sie passen so.  Zu ihm und zu diesem Ort. Und zu der Art, wie er Bücher einpackt. Ich gehe immer nur mit einem zur Kasse, weil es der schönste Moment ist.

Es ist wie beim Kauf eines teuern Kleides. Wenn die Verkäuferin das Stück Stoff vorsichtig in das schöne, knisternde Seidenpapier einlegt und es dann ganz sorgsam in die schwere Papiertasche gleiten lässt, die dann über den Tresen reicht, ist der Gedanken, dass das da schon ganz schön viel Geld ist, ganz schnell verflogen.  Nicht zu vergleichen mit dem schnellen, hastigen Sale-Einkauf, beim dem die Teile eilig in die Plastiktüte geschoben werden.
So werden hier Bücher verkauft. Das Seidenpapier fehlt. Aber die Haltung. Die Haltung ist dieselbe. Ganz vorsichtig nimmt er sie entgegen und bietet manchmal ein Lesezeichens dazu an. Ein Lesezeichen! Wie herrlich aus der Zeit gefallen. Der Blick immer ein wenig verstohlen, aber verstehend, weil ich hier Bücher kaufe und jemand der Bücher kauft, der kann kein schlechter Mensch sein.

All dies, all dies gibt es an diesem Ort und ist von außen nicht zu sehen.

noch einmal

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  • Noch einmal Macarons kaufen und ganz lange auf das Schild an der Tür schauen. Macarons de Stephane. Fast. Da fehlt doch nur ein klitzekleines i. Macarons de Stephanie.
  • Noch einmal hier viel zu viel Geld lassen für mehr Geschenkpapier als ich je werde Geschenke verschenken können, Seifenschalen, Kerzen, Vasen, doch diese dunkle Seidenbluse mit Punkten?
  • Noch einmal in Küchenliebe und Schwesternherz Backformen bestaunen, in Kochbüchern blättern und meine Weckglas-Sammlung vergrößern.
  • Einmal noch hier hin. Weil ich mich dieses Mal wirklich an Hawai wagen würde.
  • Einmal noch im Cortado sitzen und vor lauter Portugiesisch mein eigenes Wort nicht mehr verstehen, mir überlegen ob ich liebe die Lemonbars oder noch einen frisch gepressten Orangensaft nehmen soll.
  •  Einmal noch über den Wochenmarkt am Boxhagener Platz schlendern und mich vor lauter Auswahl nicht entscheiden können aber Blumen und Käse mitnehmen, weil man damit nie etwas falsch machen kann.
  • Einmal noch im „Eat Crepes not Crap“ ein Croissant mitnehmen, die schöne französische Verkauferin bestaunen und mich fragen, wie sie es nur schaffen in einem schlabbrigen T-Shirt und mit zersausten Haaren so wahnsinnig sinnlich auszusehen, wie das wohl nur Französinnen können.
  • Noch einmal ins Gipfeltreffen, das mir  Anja gezeigt hat und  wo ich stundenlang sitzen, Zeitung lesen, Kaffee trinken, Menschen beobachten könnte.
  • Einmal noch zu Herrn Nilsson und die Tüte füllen mit Salzheringen, Lakrtizschnecken, Lakritzbonbons, Lakritzwürfeln, Lakritzschlangen, Lakrtiz-egal-was.
  • Einmal noch ins International, weil egal welcher Film da kommt, dieses Kino einfach so großartig aussieht.
  • Einmal noch Sophie, Lina und Anselm treffen, weil sie unglaublich sind. Unglaublich schön, unglaublich talentiert, unglaublich wundervoll, zu unglaublich für Adjektive.
  • Einmal noch ins Madame Tartinette, damit ich wieder weiß und nie vergesse, was ein guter Cheesecake ist.
  • Noch einmal ins Ocelot, diesen Cafeguide vollständig abarbeiten, ins Volkstheater.


Einmal noch. So viel.
Nicht nur einmal. Noch viele Male.
Tschüss Berlin. Bis ganz bald.

Über die große Schönheit

kinoEin Film, der so schön, skurril, traurig und berührend zugleich ist, dass während der Abspann noch läuft, ich am liebsten sofort raus möchte, nur um mich vorne wieder in der Schlange anstellen und ihn gleich noch einmal zu sehen. Noch einmal in diese Welt eintauchen, sie aufsaugen, weil ich bestimmt ein Detail übersehen habe. Bilder wie Gemälde. Der Pastor, der auf der Schaukel schwingt, die Flamingos auf dem Balkon, das Versteckspiel im Klostergarten und immer wieder die Spaziergänge durch Rom in diesem ganz besonderen Licht, wenn die Nacht in den Tag übergeht, früher Morgen, späte Nacht, in dieser Zwischenwelt, in der sich die Welt noch sammelt, noch nicht ganz bereit ist. La grande bellezza.

Diese Bilder unterlegt mit einer Musik, die auch nie aufhören soll. Klassische und die zum Feiern.

Und zwischen Bildern, Geigenklängen oder tiefem Bass, Sätze, von denen ich nicht genug bekommen kann. Wie dieser: „In meinem Alter sind schöne Frauen allein nicht mehr genug.“

Bei Liedern drücke ich oft die Wiederholungstaste. Bei Filmen selten. Einmal die Geschichte kennengelernt und der Reiz ist weg. Hier möchte ich nochmal rein. Von so großer Schönheit ist er. La grande bellezza.
kino_bellezzaDer schönste Ort in Berlin, um schöne Filme zu sehen: Kino Intimes.

das Fräulein in München

cafe_frauelein - KopieEs ist ein Mädchen-Ort. So ein blumiger, weißer, freundlicher. Der Name ist Programm. Das ist mir manchmal zu viel, an manchen Tagen aber genau das richtige. Und die Zimtschnecken, die Walnuss-Schokoladen-Brownies, die Quiche – die funktionieren an allen Tagen. Direkt hinter dem Viktualienmarkt als Zwischenstop vor dem Wocheneinkauf.

Cafe Fräulein
Frauenstr. 11
80469 München
Montag bis Samstag von 09:00 Uhr bis 18:00
Sonntag und Feiertags von 10:00 Uhr bis 18:00

cafe_frauelein

Angefangen in München

Unbenannt-1Es ist vorbei und das ist gut so. Das Oktoberfest ist das München-Klischee schlechthin. Wie Schicki-Micki. Aber das ganzjährig. Und darüber vergessen so viele, dass die Stadt doch so viel mehr ist und etwas ganz eigenes hat. Ja, sie ist nicht so cool wie Berlin, aber sie ist auf eine eigene Weise so schön, so viel unangestrengter und entspannter. In Berlin muss man was werden, in München ist man angekommen. Hier habe ich nicht das Gefühl, dauernd etwas zu verpassen. Es ist alles so herrlich unaufgeregt.
Zwei Bücher, die allen noch-nicht-angekommenen dieses München zeigen, sind gerade erschienen. Einmal nur für Frauen [1] von der Illustratorin Kera Till, die in München wohnt und für alle ein Sonderheft von Monopol [2], was sowieso immer gut ist.
Zwei Mal München. Und das ist erst der Anfang.

Lieblingssitzplatz

schoenes - Kopie - KopieMein Wohnzimmer. Was natürlich daran liegt, dass es praktisch am Ende meiner Straße liegt. Aber auch daran, dass ein Argument sich für die Wohnung zu entscheiden war, dass sie ganz nahe beim Kloster liegt. Denn das ist ein guter Ort. Wie ein Wohnzimmer eben. Es ist unkompliziert, da ist immer jemand den man kennt. Man kann reden, muss aber nicht. Man kann auch einfach nur draußen in der Sonne sitzen, eine Stunde mit seinem Espresso verweilen. Das hört sich so leicht an, aber geht nicht überall.
schoenes - KopieEinfach dasitzend dürfen und einen Espresso trinken und lesen ist sogar eher die Seltenheit. Meist muss man reden oder auf jemanden warten, etwas essen, auf jeden Fall geschäftig sein. Im Kloster nicht. Da kann man einfach sitzen. Nur sitzen. Im schönsten Wohnzimmer Münchens eben.

Zum Kloster
Preysingstrasse 77
Montag bis Samstag: 10 bis 1 Uhr
Sonntags 12 bis 1 Uhr
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biennalös

venedig_4 - Kopie (2)Jeder Pavillon ist anders und das ist vielleicht das spannende. Das es nicht nur Kunst ist und eine Ausstellung, sondern zu sehen, was die Länder daraus gemacht haben. Da sind die Briten so fröhlich und die Deutschen eben sehr nachdenklich und immer politisch korrekt. Wie ein Märchenland, wie eine kleine Weltreise. Eine Überraschung um jede Ecke. Wer hätte die Rettung des Nordpols als Thema der Bahamas vermutet? Es hallt noch so lange nach.