übers Küssen

027Ich wohne in München und wo der Preusse sich die Hand gibt, der Hipster lustige Hand-zur-Faust-formen-Abschlagen-Akrobatik vollzieht, wird in München geküsst zur Begrüßung. Eins links, eins rechts. Ich mag das nicht. Mochte ich noch nie. Bussi-Bussi-Gesellschaft.

Aber ich mag Bisous. Französisch weich dahingehaucht das Wort und zart-knusprig das zugehörige Gebäck. Ein Willkommensgruß, wie man ihn sich schöner nicht wünschen könnte.

Begrüßungsküsschen
[nach einem Rezept aus "Meine französische Küche"]

* 2 Eiweiß
* ein paar Tropfen des Safts einer Zitrone
* 100 Gramm Zucker
* 100 Gramm weiche Butter
* Haselnusskrokant

Den Backofen auf 80 Grad einheizen. Einen Esslöffel Zucker in das Eiweiß mischen, kurz ruhen lassen dann alles steif schlagen. Gegen Ende den Zitronensaft und den restlichen Zucker hinzugeben, bis eine glänzende, feste Masse entstanden ist. In einen Spritzbeutel füllen.
Auf Backpapier Küsschen spritzen und für 1 1/2 Stunden in den Ofen. Danach die Ofentür öffnen und noch eine halbe Stunde bei abgeschaltetem Ofen auskühlen lassen. Die Küsschen sind zart und  vertragen große Temperaturschwankungen nicht.
Die Butter aufschlagen, cremig und mit Krokant verrühren. Fleißige, strebhafte oder sehr genußorientierte Menschen können Haselnusskrokant auch selbst machen. Haselnüsse in einer Pfanne rösten. 75 Gramm Zucker mit zwei Esslöffeln Wasser erhitzen, bis er karamelllisiert. Die Haselnüsse unterrühren. Die Mischung auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech gießen, verstreichen und erkalten lassen. In der Küchenmaschine klein hacken.

Unter die Buttercreme rühren und die eine Seite der Bisous damit bestreichen, die andere Hälfte draufsetzen, leicht andrücken, nochmals im Krokant wenden.
028034031Verpacken und damit jeden damit begrüßen statt Küsschen links und rechts. Macht viele Freunde. Die Erfahrung durfte ich machen. Keine Freunde oder gleich ganz viele macht man sich übrigens, wenn man im Französischen in vollen Zügen vom Lieblingsdessert schwärmt. Von Baiser. Ein unvergesslicher Abend.
Da sind Bisous doch unverfänglicher. Sage ich ja, kann man nichts mit falsch machen.
Küsschen und tschüss.

Mutterreisen und Rollentausch

_MG_0125Max Frisch, natürlich Max Frisch, hat etwas wunderbar Wahres gesagt über das Kennen des anderen und das Ende der Liebe. “Unsere Meinung, dass wir das andere kennen ist das Ende der Liebe, jedesmal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: Weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns.”

Gilt für die romantische Liebe. Die zu den Eltern ist da außen vorgenommen. Weil egal was passiert, man bleibt ja immer das Kind seiner Eltern.
Diese eine Sicherheit, die jeder Mensch doch braucht, egal wie alt. Ein letzter Rückzugsort, von dem es gut ist, um ihn zu wissen und ihn zu kennen, auch wenn man nicht in die Situation kommen möchte, ihn nutzen zu müssen.
Und da wären wir doch wieder bei Frisch, weil wen, wenn nicht seine Mutter, glaubt man zu kennen. Die Rollen wurde vor langer Zeit schon neu gemischt, was aber nicht daran hindert, wieder in die alten zu fallen. In der längst vergangen Zeit des Zusammenlebens wurde festgelegt, wer auf die Unordnung hinweist, wer fragt, ob die Jacke nicht ein wenig dünn ist und ob man auch genug gegessen habe.

Es gibt kaum einen Menschen, der mich mit ein paar Fragen so schnell und leicht zur Weißglut treiben kann und an den ich doch gleichzeitig auch immer wieder denke, wenn es zuviel ist, um mich herum, weil – egal wie alt –  es tut doch immer gut, bemuttert zu werden und das kann eben auch nur eine so richtig gut.

Das gilt immer noch, aber es hat sich auch ganz leise gedreht. Kaum merklich. Die besorgten Fragen. Jetzt stelle sie ich. Noch grundlos.
Was sind das für Tabletten, die du da nimmst? Du gehst schon wieder auf eine Beerdigung?

Es ist ein neues Gebiet, das man betritt, wenn man die eingespielten Rollen verlässt. Und das fällt leichter in einem Terrain, das für alle beide neu ist. Bei den kurzen Besuchen in der jeweiligen Welt des anderen gelingt das nicht. Da dauert es meist zwei Tage bis der Status Gast abhanden gekommen ist und dann fällt jeder wieder in seine alten Muster und Rollen. Es gibt Hinweise zum Einräumen der Spülmaschine und viel Alltägliches und ein leichtes Genervtsein meinerseits, weil noch ein Handy zu erklären und wieder ein Computer anzuschließen ist.

Deshalb war der Plan: Neues Gebiet für beide. Irland in unserem Fall. Fünf Tage mit dem Mietwagen quer durch das Land. Umgeben von grünem Grün.
Und es war ein hervorragender Plan.

“Aber das ist doch keine Straße” und “Glaubst Du wirklich, dass wir hier richtig sind?” bilden die beste Grundlage, sich in den neuen Rollen einzufinden. Beide zurückgestellt auf Null. Weil keiner oder mal der eine, dann der andere weiß, wo es langgeht, das richtige Straßenschild zuerst gesehen hat oder besser erahnen kann, was das gällische Wort da bedeuten könnte. Und dann sind da noch die langen Fahrten auf sich dahinschlängelnden Küstenstraßen, die Fragen zulassen, für die sonst keine Zeit bleibt. Wenn es in den Telefonaten sonst darum geht, den Alltag abzugleichen, um Arztbesuche, den Fortschritt im Garten und das Neuste von der Familie geht, dann kann ich hier fragen, wie es für sie damals war, als jüngstes von fünf Kindern und ich erfahre einen kleinen Hauch von Träumen und Ängsten, die natürlich auch vorher schon da waren, aber es erzählt sich besser auf langen, sich ewig dahinziehenden Landstraßen als in den Sonntagstelefonaten oder Kurzbesuchen. Es ist ja nichts Wichtiges und es sind auch nicht die großen Themen, aber sie lassen den Menschen, den ich so gut zu glauben kenne, in neuem Licht erscheinen. Ich entdecke Eigenschaften und sehe Züge an ihr und weiß nicht, ob sie neu hinzugekommen sind in den Jahren oder ich sie bisher einfach nicht gesehen habe. Die immer Fürsorgliche ist wagemutig und die, die immer an alle und jeden denkt, vergesslich.

Und ich suche noch das Wort für das Gefühl, das ich habe, wenn ich sie vom Bahnhof abhole und sie vor mir steht mit ihrem Koffer und auf ihre eigene Art und Weise sehr viel Mut. Dann will ich den Koffer in die Wohnung tragen, weil der Flieger erst am nächsten Morgen geht. “Nicht nötig”, sagt sie und holt einen Stoffbeutel aus ihrer Tasche. “Da ist alles drin, was ich für heute Nacht brauche.”, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Und dann waren da die Diskussionen, ob das jetzt die richtige Abbiegung war und dass ich doch vielleicht ein wenig langsamer fahren sollte, aber das alles zählt nicht so viel, wie die eine lange Minute, nach der klar war, dass das laute Kratzen wohl die Steinmauer war und dass der Kotflügel nicht mehr ganz so gerade hängt und das, obwohl sie doch gesagt hatte, dass die Biegung zu steil und das, was in anderen Konstellationen jetzt für Streit und schlechte Luft sorgen würde, ist eben passiert, wie schon so vieles passiert ist in den letzten dreißig Jahren und da ist eine Wärme und so etwas wie Güte auf jeden Fall etwas menschlich sehr Großes, dass mir in den Pubertätswirren so nie aufgefallen wäre.

Und ob es Stolz ist oder das, was mir auf der Reise noch oft begegnen wird, Verwunderung, über diese neuen und anderen Seiten, die ich an ihr entdecken werde, ich weiß es nicht. Aber ich mag es. Auf eine neue Reise.
Es gibt noch viel unbekanntes Terrain zu entdecken. Soll keiner glauben, er wüsste wo es lang geht oder dass er den anderen kennt.
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von Anfang an: gut

121Es ist doch niemals von der ersten Sekunde an gut. Da muss man die Erwartungen schon herunterschrauben. Ein wenig Zeit geben. Es braucht eben ein wenig, bis man warm wird miteinander. Auch bei Büchern. Gerade bei Büchern. Ein paar Seiten sind nötig, um anzukommen. Im Buch, in der Geschichte und der Sprache, die immer wieder eine andere ist.
Beim Vorwort gilt es sowieso ein Auge zuzudrücken. Die Bedeutung desselbigen hat sich mir sowieso noch nicht erschlossen. Ich kaufe ein Buch, weil sich der Klappentext gut liest, weil mir jemand gesagt hat, dass es ein gutes ist und auch oft weil mir ein Empfehlungsmechanismus beim elektronischen Buchhändler es vorgeschlagen hat. Auf jeden Fall ist es gekauft und dann liegt es lange auf Stapeln herum und irgendwann dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, ich will es lesen und dann ist da dieses Vorwort, in dem ein anderer mir meistens sagt, dass dies ein gutes Buch ist. Davon gehe ich schon aus, sonst würde ich es ja nicht gerade lesen wollen und außerdem mir lieber selbst eine Meinung darüber bilden. Auf jeden Fall ist das Vorwort so eine Sache und ich lese es natürlich trotzdem, weil ich so einen Lesezwang habe, der mich dazu zwingt auch schlechte Bücher zu Ende lesen, weil doch vielleicht auf der letzten Seite noch etwas kommen könnte, mich unglaubliche Sätze überraschen oder verwirrte Erzählstränge sich zusammenfügen könnten oder einfach weil ich selbst das schlimmste Buch doch irgendwie liebgewonnen habe und nicht mittendrin aufgeben mag. Also lese ich das Vorwort und erwarte nicht viel. Beim diesem Buch mochte ich selbst das Vorwort.
Es war von der ersten Seite an gut. Vom Vorwort an. Da versuchte einer nicht mit der üblichen Abgeklärtheit und völlig unnötiger Distanz zu erklären, warum dies ein gutes Buch ist, sondern schreibt über das Schreiben von Geschichten, in dem man versucht sich selbst näher zu kommen, im Leben der anderen, über die man schreibt, sich selbst zu finden. “Ein bisschen Wirklichkeit, gespiegelt durch das eigene Temperament” und die Wirklichkeit von Marc Fischer ist so glänzend und melancholisch und doch irgendwie heiter und nachdenklich machend. Es sind kleine Geschichten und Alltagsgeschichten, Reportagen, Hirngespinste und Erfundenes und Wirklichkeit waren noch nie so nah beieinander wie hier. Wer nach Objektivität ruft, hat sie nicht verstanden, die Wirklichkeit und wer noch reist, hat es noch nicht entdeckt und das sind keine Widersprüche.  Ein Buch, das mit dem Vorwort beginnend und von der ersten Seite an einen kleinen Sog entwickelt. Als käme ein alter Freund zu Besuch. So unkompliziert, so vertraut, so schon längst alles geklärt.
Von der ersten Sekunde an gut. Dieses Buch.

es berührt sich noch bis unzertrennlich

077Es gibt ein Gedicht von Günter Grass und ich beginne es erst jetzt und so langsam zu verstehen. Ich kann nur Teile davon auswendig, aber es sind drei Zeilen, die sich so fest eingeprägt haben, dass ich sie jederzeit zitieren kann.

“Doch meine und deine Interessen
berühren sich immer noch
an immer den gleichen Stellen.”

Ob als Lob auf die Ehe oder als abgewandelte Hommage an die Schwarzwälder Kirschtorte oder weil, wenn sich etwas an der gleichen Stelle berührt, man es nicht trennen soll: Eine Kirschtarte.

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Unzertrennliche Kirschtarte
[nach einem Rezept abgewandelt von
Annik Wecker]

Für den Teig:
* 100 Gramm kalte Butter
* 70 Gramm Puderzucker
* 2 Esslöffel gemahlene Mandeln
* 1 Prise Salz
* 1 Ei, Größe
* 200 Gramm Mehl

Für die Creme:
* 150 ml Crème double
* 70 Gramm Butter
* 300 Gramm Vollmilchschokolade

für obendrauf:
* Kirschen

Die kalte Butter in Flocken zerteilen und mit dem Puderzucker, den Mandeln und dem Mehl schnell verkneten. Das Ei hinzugeben. Zu einer Teigkugel formen und für eine halbe Stunde eingepackt in Frischhaltefolie in den Kühlschrank legen. Anschließend bei 180 Grad für zwölf Minuten blindbacken. Abkühlen lassen.
Währenddessen über einem Wasserbad die Butter und Schokolade schmelzen. Die Creme-Double unterrühren und die Mischung auf dem Tarteboden verteilen. Mit Kirschen belegen.
Im Kühlschrank auskühlen und fest werden lassen.

105Es berührt. Es geht nicht spurlos an einem vorbei. Etwas bleibt immer zurück.

Montagsmögen

montagsmoegenJeden Montag oder manchmal auch erst Dienstag: Zwei, die ich mag. Sommernächte [1]. Nach Gewittern, Regenschwere noch in der Luft und überhaupt die Luft diese Tage, so dick und warm zum darin Baden. Jeansshorts [2] als die einzig mögliche textile Antwort auf dieses Wetter. Und ein Träumerlied.

wiedergefunden

250Von Worten getroffen, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht weil sie die richtigen sind für das Gefühl, wie es ist, wenn man ist, wie man ist.
“The truly creative mind in any field is no more than this: A human creature born abnormally, inhumanly sensitive. To him… a touch is a blow, a sound is a noise, a misfortune is a tragedy, a joy is an ecstasy, a friend is a lover, a lover is a god, and failure is death. Add to this cruelly delicate organism the overpowering necessity to create, create, create—so that without the creating of music or poetry or books or buildings or something of meaning, his very breath is cut off from him. He must create, must pour out creation. By some strange, unknown, inward urgency he is not really alive unless he is creating…”

Pearl S. Buck
[noch mehr Videos dazu und ein Magazin. Entdeckt hier.]

 

aufgelistet: aufgesammelt

134Was sich so angesammelt hat, was ich so aufsammle, was ich aufgegabelt habe am Wegrand. Dem virtuellen in diesem Fall.
Damit ich es nicht vergesse, damit mehr es erfahren, damit es mal einer gesagt hat. Einer muss es ja tun.

  • die andere Perspektive. Die eigene Wohnung aus den Augen des Kindes hat etwas derartig Rührendes, weil doch wirklich jede Bodendiele wie gemacht für Stau ist und die Funktion von Telefonen niemals klarer auf den Punkt gebracht werden könnte. Und dann wäre da noch, das was eine Amerikanerin über die Kindererziehung in Deutschland sagt und ich lese von freundlichen Hebammen, die wie Schwestern sind und der Ode auf das Elterngeld und selbst wenn ich den naturgegebenen Hang zur Übertreibung der Nordamerikaner abziehe, denke ich wieder mal: Es ist ein guter Ort, an dem ich hier lebe.
  • ich werde das Lied künftig mit anderen Augen hören. Und ja, das geht.
  • Dann bin ich Foy Vance verfallen. Bei Fee entdeckt. Cowboys kann ich immer zuhören. Und welchen, die mal etwas anderes im Gesicht tragen als Vollbart, gleich viel mehr.
  • mich festgelesen.
  • den Film über Vivian Maier, die das beherrschte, was diesen kleinen, feinen, kaum zu sehenden, aber zu spürenden Unterschied in Bildern macht: “sie besaß die Gabe, jene Bruchteile einer Sekunde aufzuspüren, in denen sich ein anderer zeigt – in einer zärtlichen Geste, einem verlorenen Blick.”

 

zwischendrin

moegen2235344Es fühlt sich so dazwischen an. Mal Herbst, mal Sommer. Mal furchtbar viel Energie und dann eine große Müdigkeit. Mal unendliche Lust auf so vieles und dann überfordert von den Möglichkeiten. Nichts Halbes und nichts Ganzes.
Trotzdem oder gerade deshalb hilft eine Lederjacke [1] – gegen Dünnhäutigkeit und sonst auch alles mögliche. Eine Kette mit klaren Formen [2] und eine durchlässige Schale aus Draht [3]. Eine Tasche für in die Tasche [4], um den ganzen Kleinkrimskrams zu verwahren, der sonst wild durcheinander fliegt. Vielleicht noch eine Seidenbluse [5]. Die sind nie verkehrt. Weil sich der Stoff so gut anfühlt auf der Haut, weil sie elegant sind, aber nicht aufdringlich, weil sie kühl sind und warm halten und so alle Widersprüche in sich vereinen. Auf maximalen Geschmack [6]. Ganz nach Lust und Laune. Oder irgendwas dazwischen.

weiter gehen

123“In bin nicht weit genug gegangen, das ist es. In die Einsamkeit muss man eindringen, man muss sie aushalten. Der eisige Beginn ist das Schlimmste. Man muss da durch. Man darf nicht auf halbem Weg umkehren, man muss durch die Bitterkeit hindurch, durch die Gefühle der Selbstgerechtigkeit, man muss auf sie zugehen wie auf eine heilige Stadt, man spürt die tiefe Freude, die einen erwartet. Ich versuche, sie in mir wachzurufen, sie heraufzubeschwören. Ich bin sicher, dass sie da ist, aber es ist nicht leicht, sie zu finden. Natürlich nicht. Man schwankt. Man muss kämpfen. Aber so ist das, wenn man an etwas glaubt, es ist ein Schnitt bis auf den Knochen.”

aus: Ein Spiel und ein Zeitvertreib von James Salter

eine Frau, die man mögen muss

124Ich mag diese Frau. Lange hatte ich keine Meinung oder eher eine vorgefertigte. Ladykracher nie gesehen oder mal im Hotel reingezappt. Hat einfach nicht gepasst oder war nicht auf meinem Radar, wie es eben mit so manchen Sachen ist, im Leben. Man kann ja nicht alles konsumieren, was die Medienlandschaft einem so bietet. Dann war da dieser kleine kluge Satz über die Aserbaidschan bei der Moderation des Eurovision Song Contest und das ging mir nach, weil es mutig ist, raffiniert und so gewitzt.
Und dann habe ich irgendwann diese Reportage gesehen und seitdem bin ich hin und weg von Anke Engelke. Sie sucht das Glück und das könnte schrecklich trivial sein, aber was so berührt und mir so nachgeht, ist ihre ungezwungene Art, wie sie den Kindern auf der Krebsstation begegnet. Ich frage mich, wie ich reagieren würde und alleine der Gedanke lässt mich ein wenig hilflos zurück.

Aber wenn, dann bitte so wie sie. Das ist nicht diese weinerliche, bemitleidende Art, das Umgehen oder Wegducken oder der manchmal von oben herabschauende Erwachsenenduktus, sondern so ehrlich und klar. Beim Jonglieren fällt da ein Satz über die Halskrause des Jungen, die ja auch ein Basketballkorb sein könnte und da ist kurz der Gedanke, darf man so etwas sagen, bis klar wird, man muss. Es ist die einzig richtige Antwort. Die volle Breitseite, hinsehen, ansprechen, weil es doch eh da ist und je mehr man wegsieht, desto stärker hängt es im Raum. Es ist genau die Klarheit, die ich schon an diesem Buch so mochte.

Ich verliere mich oder auch nicht, weil ich eigentlich sagen wollte, dass ich diese Frau mag und warum. Natürlich auch, weil sie zusammen mit Roger Willemsen auftritt und für den hege ich eine uneingeschränkte Bewunderung. Und dann hat sie noch eine nicht mehr ganz so neue Sendung. “Anke hat Zeit” heißt sie und da stellt sie vor, was sie so mag und da sind Künstler dabei, Schauspieler, Politisches. Es ist ein feines Potpourri an Themen, Meinungen, Sichtweisen und eine dieser Sendungen, die einen anders zurücklässt, weil man mehr gesehen hat, anderes gesehen hat. Es ist leicht und seicht und fröhlich, aber schrappt auch immer ein Stück am Abgrund zu mehr und da ist wieder dieses Hinsehen und Ansprechen und das erzeugt dann so eine Mischung aus Lächeln und Verwunderung, wie sie nur wenige erzeugen können.
Hatte ich schon gesagt, dass ich diese Frau mag?

Küchenpsychologische Managementlehre in der Praxis: Gegensätzliche Ergänzung zu bestem Ergebnis

051059Ich bin meines Zeichens  Küchenpsychologin. Mein Wissen basiert auf der Lektüre von Frauenzeitschriften und diverser Managementliteratur. Aus diesen fundierten Quellen weiß ich, dass man diejenigen gerne mag, die einem ähneln. Vom Lebensstil und Charakter, von der Arbeitsweise und dem Auftritt. Man neigt dazu, sie besser zu benoten und vorzuziehen. Aber wirklich erfolgreich sind gemischte Teams, wenn gegensätzliche Eigenschaften sich ergänzen. Saure Beeren und süßer Kuchen beweisen das schon lange.
Über Gegensätzliches und Neues habe ich nachgedacht und nebenher gebacken.
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Süß-sauerer Johannisbeer-Polentakuchen
[
von Jenny]

* 1 Schale Johannisbeeren
* 50 Gramm Polenta
* 200 Gramm Mehl
* 25 Gramm gemahlene Mandeln
* 2 Teelöffel Backpulver
* 1 Prise Salz
* 115 Gramm Butter
* 200 Gramm Zucker
* 2 Eier
* 100 Gramm griechischer Joghurt

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Kastenform einfetten. Die Johannisbeeren waschen, verlesen und in die Tiefkühltruhe geben (so werden sie im gebackenen Zustand nicht so schnell matschig und bilden schöne Tupfen). Polenta, Mehl, Mandeln, Backpulver und Salz mischen. Danach Butter und Zucker schaumig schlagen. Die Eier untermischen und dann langsam das Mehl und den Joghurt hinzugeben. Ein Drittel des Teiges in die Backform geben, einen Teil der gefrorenen Johannisbeeren schnell untermischen, den nächsten Teil des Teiges hinzugeben, wieder Johannisbeeren hinzufügen und so auch mit dem letzten Drittel verfahren. Für bis zu 75 Minuten in den Ofen geben. Eventuell mit Alufolie bedecken.
150061Das Ergebnis begutachten und testen und sich dabei gerne eine Diskussion über unterschiedliche Kulturformen in Unternehmen anhören. Rausgehen und alles Andersartige mit neuen Augen sehen.

Montagsmögen

montagsmögenJeden Montag: Zwei, die ich mag: Geschirr [1], das so schön ist, zart und zebrechlich, so dass ich daraus gar nicht essen muss, sondern es reicht, es einfach nur anzusehen. Ein Geheimnis [2], das gar keines ist und doch muss ich mich immer wieder daran erinnern. Noch eines. Und ein Lied, dass ich hören und hören kann und nicht genug bekomme.

machen und Zeit lassen

005008Es gibt Zeiten, da fließt alles so leicht von der Hand. Das Machen, das Anpacken, etwas zu sehen, wo vorher nichts zu sehen war, Fäden zu spinnen und aufzunehmen und so vieles. Es sprudelt einfach so vor sich hin. Und jetzt ist gerade eine Zeit, da sprudelt nichts, da scheint es fast versiegt und da fällt alles so schwer und natürlich nicht alles, weil vieles auch gut ist, aber irgendwie ist jede Handbewegung, jeder Schritt, jede Forderung, die das Leben eben so stellt, eine zu viel. Die Leichtigkeit ist verschwunden und die Müdigkeit hat sich so leise eingeschlichen.
Und zuerst ist da diese schleichende Angst, dass es so bleiben könnte, sich einnistet und wohnlich wird.
Das macht nichts. Das geht vorüber. Vor allem seit ich weiß, dass ich bald ein paar Wochen haben werde, die frei sind von Verpflichtungen oder nur voll von selbstauferlegten. Und alleine mit dem Entschluss und der Freiheit in Sicht, ist da wieder ein Hauch dieser Leichtigkeit und eine Gewissheit, dass es auch dieses Mal gut werden wird. Vielleicht weil ein Ende in Sicht ist und damit der Aussichtslosigkeit die Perspektive genommen. Weil ich jetzt schon weiß, dass wenn wieder Ruhe einkehren kann und ich Luft holen, dann wird es im Kopf auf einmal wieder laut, weil mir auf einmal wieder viele Dinge auffallen und einfallen und das man das doch auch so machen könnte oder vielleicht so und dann spinnt es wieder das Rad und es sprudelt und Ideen kommen und die Lust anzupacken und zu tun und passieren lassen.
Wird auch mal wieder Zeit.

Montagsmögen

montagsmaggggeeeJeden Montag: Zwei, die ich mag. Dieses Gefühl, nur so ein Gefühl und froh ein Bild zu haben, dass es ausdrückt [1] Mehr nicht. Und auch nicht mehr, als dieses schlichte, graue T-Shirt [2], einen guten Text und ein ruhiges Lied.