Montagsmögen

montagsmoegen_23Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Meinen eigenen Kopf zu haben. [hier entdeckt] Immer. Ist mir doch egal. Die Musik von Keith Jarrett und Charlie Haden kann einem nicht egal sein. Zu schön, zu zart ist sie.

die Laufschuhe schnüren

012016“Die meisten laufen nicht, weil sie länger leben wollen, sondern weil sie ein schöneres Leben führen wollen. Ist es nicht viel angenehmer, zehn Jahre mit klaren Zielen und voller Vitalität zu verbringen, als nur in den Tag hineinzudämmern?
Ich glaube, das Laufen verhilft dazu.
Sich selbst bis an seine persönlichen Grenzen zu verausgaben ist die Essenz des Laufens und eine Metapher für das Leben überhaupt (und für mich auch für das Schreiben).”

aus: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami

für Sommerregentage

stepanini_magAn Sommerregentagen virtuell durch die Läden ziehen. Auf meiner Wunschliste sind gelandet: Ein schlichtes, weißes T-shirt ohne Firlefanz [1] und ein neues Magazin “Liebling” [2]. Für Kinder und Babies das T-Shirt mit dem Bären [3]. Neue Turnschuhe sind eingezogen [4] und es läuft sich gleich viel schneller und leichter. Es tippt sich viel schneller und leichter mit Urlaubsgefühl auf den Händen [5]. Die Leuchtschrift im Flur [6], das wäre eine sehr große Sache.

warmer Salat

246Salat. Salat. Salat. Sehr gerne warm. Warm ist immer besser.
Einfach Rucola, Babyspinat, Feldsalat oder von allem etwas. Zuchini in dünne Scheiben schneiden, anbraten, getrockneten Tomaten klein schneiden, Pinienkerne anrösten. Mit Ziegenkäse und Balsamicoreduktion beträufeln.

Gekochtes lesen

kochbuchEigentlich stehen schon genug im Regal. Aber für das ein oder andere wäre noch Platz. United States of cakes hört sich gut an. Schwelgen in der amerikanischen Backkultur, die mit Whoopies, Pies, Brownies so wunderbar buttrig-dekadent ist. Amerikanisch. Immer nochmal eines drauf.

Auf die Hand ist das neue Kochbuch, von dem, der über Essen schreibt, wie kein anderer. Mit dieser ganz eigenen Mischung aus Poesie und Präzision. In seinen neuen Buch geht es um Streetfood mit Rezepten und Geschichten über die Menschen dahinter. 

What Katie ate at the weekend ist ein Bilderbuch. Schon ihr erstes Buch war großartig, ihr Blog ist eine Augenweide. Man muss das gar nicht kochen, man kann nur darin blättern, in die Bilder eintauchen, die im Aufbau Gemälden gleichen. Üppig und barockesk. Auch wenn es dieses Wort nicht gibt, hierfür müsste es erfunden werden. Fotos, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, die überbordend sind und voll und Lust machen.

Und dann wäre da noch Bread Exchange. Eine wunderschöne Schwedin (die auch noch schön wohnt) backt Sauerteigbrote und tauscht diese. Gegen alles. Nur kein Geld. Das bringt ihr Geschichten ein, die zu lesen, es lohnt.

Wie gesagt: Ich habe noch Platz.
Und jetzt Hunger.

Neues von der Front und eine Ode auf das Lernen

002112Gestern war wieder einer dieser Tage, da lief es. Es war im Fluss. Besser noch: Es ist ein wenig wie ein Rausch. Und das ist es wirklich. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als ich mitten in der Abschlussprüfung war und es waren nur noch sechs Wochen und ich verbrachte den Großteil der Stunden über den Büchern. Das ist ein wunderbarer Cocktail. Einer aus leichter Panik, die zum konzentrierten Denken, Lesen und Lernen zwingt und keine Ablenkung durch Internet, Cafebesuche oder nicht-wissenschaftliches Lesen duldet. Kein schnelles Mails checken oder mal kurz bei instagram vorbeischauen. Da entsteht bei mir so eine Wachheit und Klarheit in den guten Momenten, eine Art von gesteigerter Aufmerksamkeit, eine Fokusiertheit im Kopf, weil für Alltagsgedanken, Einkaufslisten und kreisendes Sorgen kein Platz mehr ist. Vollkommene Selbstvergessenheit, absolute Konzentration. So muss es sich anfühlen, auf Koks zu sein.

Am Anfang ist da dieser Berg und nichts macht Sinn, aber wenn sich langsam, sehr langsam Zusammenhänge erschließen, etwas klar wird, warum es so sein muss, dann ist das ein berauschendes Gefühl. Eines, das mehr will. Noch mehr sehen, noch mehr wissen, noch mehr verstehen. Ich öffne eine Tür und dann ist da ein Raum und es gibt noch mehr zu sehen und zu entdecken.
Hätte mir einer in der Schulzeit gesagt, dass es auch so sein kann, ich hätte ihm nicht geglaubt.

Nach ein paar Stunden dann ein Gefühl von Müdigkeit und Schwere im Hirn. Wie Muskelkater. Als hätten die Synapsen zu viel und zu lange getanzt. Und es gibt einen Unterschied zwischen der Müdigkeit durch Routine und Alltägliches und der, wenn der Geist gefordert wurde. Es ist eine leichte Schwere, weil ich weiß, woher sie kommt. Die müden Muskeln, die ich nach dem Laufen, habe. Die Kopfarbeit und das Laufen. Sie haben so vieles gemeinsam, weshalb ich unbedingt das Buch von Murakami nochmals lesen muss.

Das war gestern also ein großartiger Tag und der heutige kann als solala bezeichnet werden. Müde, ohne viel gedacht zu haben und hoffnungslos dem Prokastinieren anheimgefallen. Aber auch das mit vollem Einsatz.

* Es gibt einen kostenlosen Kurs zu belegen. Mache ich gerade. Jodel-Diplom kann jeder. Zertifiziertes Prokastinieren ist die Kunst. Man weiß nie, wann man das nochmal brauchen kann.

* dieses Buch gelesen. Von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Und ich kann sagen: Es hat einen wunderbarer Effekt. Sie schreiben, dass ihr realistisches Minimalziel ist, dass man nach der Lektüre des Buches nichts an seinem Leben ändert, sich aber besser fühlt als vorher. Gelungen. Wenn ich schon gelernt habe, mir vor Augen zu führen, was ich alles schaffe, dann ist dieses Buch noch mal ein Extraschuss Balsam für die Seele. Zwar basierend auf der niederen menschlichen Motivation, dass die Tatsache, dass andere noch viel schlimmer sind als ich selbst, aber sei es drum. Sie berichten von abgestellten Telefon, Wasser oder Strom, weil Briefe nicht geöffnet wurden, abgeschleppten Autos, weil KFZ-Versicherungen übersehen wurden und dagegen scheint mir mein stundenlanges Internetsurfen und lange will-ich-irgendwann-mal-machen-aber-morgen-ist-auch-noch-ein-Tag-Listen führen lächerlich.
Das Buch kann aber noch mehr, weil es natürlich gut recherchiert ist und die Grundsatzfrage nach guter Arbeit stellt, die nämlich immer selbstbestimmt und frei gewählt ist. Dass die Mär der dauernden Beschäftigtsein vergisst, dass in denen des Nichtstuns auch viel getan wird und die sehr gute Strategie der “Sprungbrett-Prokrastination”. So wie im Kampfsport die Energie des Gegners genutzt wird, um ihn auf die Matte zu werfen, so nutzt der gute Prokrastinator das Aufschieben der einen Tätigkeit um eine andere zu erledigen.

* Das macht auch Ira Glas so. Während man etwas anderes tun sollte, kann man sich ansehen, wie andere so arbeiten. Und weil er so etwas Wunderbares gesagt hat,darüber, warum es lange braucht, bis man mit der eigenen Arbeit zufrieden ist, lasse ich das zum Schluss stehen.

Und gehe jetzt mal was anderes machen.
Also das, was ich eigentlich tun sollte.

“Nobody tells this to people who are beginners, I wish someone told me. All of us, who do creative work, we get into it because we have good taste. But there is this gap. For the first couple years you make stuff, it´s just not that good.
It´s trying to be good, it has potential, but it´s not. But your taste, the thing that got you into the game, is still killer. And your taste is why your work disappoints you. A lot of people never get past this phase, they quit. Most people I know who do interesting creative work went through years of this.
We know our work doesn´t have this special thing that we want it to have. We all go through this. And if you are just starting out or you are still in this phase, you gotta know its normal and the most important thing you can do is do a lot of work. Put yourself on a deadline so that every week you will finish one story.
It is only by going through a volume of work that you wil close that gap, and your work will be as good as your ambitions.
And I took longer to figure out how to do this than anyone I´ve ever met.
It´s gonna take awhile.
It´s normal to take awhile.
You´ve just gotta fight your way through.”

 

Montagsmögen

montagsmag_stepaniniJeden Montag: Zwei, die ich mag. Mir fehlen die Worte für diese zwei Liegestühle [1]. Nur, dass ich sie sehr mag, das weiß ich. Ebenso wie diese gestreiften Geschirrtücher [2]. So schön schlicht. Ich bin ein großer Freund der Schönheit im Alltag. Selbst beim Abtrocknen. Es sind die kleinen Dinge, die am Ende den großen Unterschied machen.
Von großer Schönheit ist diese Sängerin. Und ihr Gesang. Ein abgenutztes Radio-Lied erstrahlt in neuer Schönheit. So mag ich das.

mehrmals

103In der schönsten Stunde, der blauen Stunde auf dem Balkon sitzen und den schönste Sommerabendhimmel vorbeiziehen sehen und die Sonntagszeitung durchblättern und an einem Text hängenbleiben, den ich zwei Mal lese, weil er so nachgeht und anrührt. Das Portrait eines Nachkriegskindes.

“Es gibt sie, die Lust, das Leben zu verpassen.
Keinen Appetit auf  Erfahrungen, keinen Lebenshunger, weil nichts einen in euphorische Höhen trägt, aber auch nichts in tiefe Melancholie fallen lässt.”

aus: Es geht ihr doch gut. Von Nicole Quint in der FAZ

Und ein Lied, dass ich heute nicht zwei Mal, sondern mindestens fünf Mal gehört habe, weil es zum langsamen, faulen Sonntag passt und zu lauen Sommerabenden und genau richtig ist zum Fallenlassen in tiefschönster Melancholie.

Gutes immer mehrmals.

voller guter Eigenschaften: gegrillte Wassermelone

170174Ich bin mit Neugier gesegnet. Großer Neugier. Und ja, gesegnet, weil es eine der Eigenschaften ist, die wach hält und lebendig. Das letzte Mal kulinarisch wurde diese Eigenschaft geweckt beim Stolpern über ein Rezept für Gurkenmarmelade. Eine Kombination, zu herrlich, um sie zu ignorieren. Einen eben solchen Effekt hatten die Worte “gegrillt” und “Wassermelone” in einer Überschrift auf der Rezeptseite der New York Times.

Gegrillte Wassermelone
[inspiriert von hier]

* Wassermelone
* Olivenöl
* Salz und Pfeffer
* Basilikum
* Fetakäse
* rote Zwiebel

Die Wassermelone in Stücke schneiden, mit Olivenöl bestreichen (in einigen Rezeptvarianten werden die Melonenschnitze gesalzen und sollen zwanzig Minuten ruhen. Habe ich auch gemacht und später dann weggelassen und konnte keine Geschmacksunterschiede feststellen). In der Pfanne rösten. Salzen und mit Basilikum und der kleingeschnittenen roten Zwiebel servieren.

186201Neugierig, wie es schmeckt? Es schmeckt fleischig und nimmt auf einmal eine ganz andere Konsistenz an. Wie fester Fisch und dann doch wieder bekannt süß. Und noch leicht warm und mit der Zwiebel säuerlich-frisch und dem Feta – das ist ist ein wenig Molekularküche vom eigenen Herd.
Und immer einen Versuch wert.
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Ticket nach irgendwo

Irland 21.6 --28.6.2014 489 Irland 21.6 --28.6.2014 500“Ich habe nichts gegen das Reisen, im Gegenteil: Ein junger Mensch soll sich umsehen in der Welt, damit er seinen Platz findet….
Das Reisen an sich darf nie aufhören, sonst fällt der Mensch in den Stillstand, das Ziel seiner Reisen aber muss sich ändern. Irgendwann ist das Glück nicht mehr draußen in der Welt zu finden, sondern drin im Menschen – dann muss er erkennen, dass das Weglaufen nichts bringt. Er muss in sein Herz schauen und in sich selbst einen Kontinent aufbauen.”

aus: Die Sache mit dem Ich von Marc Fischer.

Sätze aus der letzten Geschichte, aus der letzten Reportage und zwar der, die mir am liebsten war. Die Gefahr ins Esoterische abzurutschen oder in die Welt der Kalendersprüche ist groß, aber soweit kommt es nie. Es ist die letzte im Buch und weil es auch einen Schlussstrich setzt, vielleicht deshalb hallt sie so lange nach.
Und weil es mich umtreibt. Das Reisen, dass immer ein Aufbruch ist und Neuanfang und manchmal auch Flucht, das Wegfahren müssen, um Anzukommen, das schon da sein oder noch nicht ganz und wieder weg wollen.

gut macht gesund

317329Manchmal ist es ja nur gesund. Also gesund, schmeckt aber nicht. Ich finde, das sollte man lassen. Also das Essen desselbigen. Weil nicht-Schmackhaftes zu essen, kann nicht gesund sein. Was wurde mir schon alles angedreht und der Zusatz “Ist sehr gesund” sollte es rausreißen. Diese Cracker schmecken vornehmlich sehr gut. Nebenbei sind sie auch noch gesund. Einfach zu machen auch noch. Ein sogenannter dreifach-Win.

gut-gesunde Cracker
[nach einem Rezept von hier]

* 1 Tasse Walnüsse
* 1/4 Tasse Mandeln
* 1/4 Tasse Leinsamen
* 1 Ei
* 1/2 Teelöffel Meersalz
* ein Paar Teelöffel Mohn – weil es schön aussieht

Walnüsse, Mandeln und Leinsamen kleinhacken, das Ei hinzugeben und das Salz. Alles vermischen. Auf ein Blech mit Backpapier streichen. Mit Mohn bestreuen. Bei 180 Grad für 12 bis 15 Minuten backen. Gut sind sie. Gesund sind sie. Und gut ist.

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nicht gesucht und doch gefunden

248Ich weiß nicht, ob ich an Schicksal glaube. Das ist ein großes Wort. Aber ich glaube daran, dass einen die richtigen Dinge schon finden. Hart dafür arbeiten, groß denken und träumen, aber dann auch gut sein lassen, denn sonst wird es verbissen und das macht nie Spaß und darf keine Grundlage sein. Für gar nichts im Leben.

Die Kunst des Feldspiels hat mich gefunden. Auf ganz wunderbare Weise. Und ich glaube, das musste so sein. Es war quasi Schicksal.

Nora hatte davon geschrieben, so viele, die ich mag, mochten es. Ich wusste, dass es um Baseball geht und das lies mich an den Sportreporter von Richard Ford denken. Eines der Bücher, das ich in so guter Erinnerung habe, weil sich die Geschichte so langsam ins Herz schleicht, im Kopf einnistet und es um das Leben geht. Das Leben im Großen und wie es so langsam dahinzieht, während man noch auf den großen Moment wartet, an dem es jetzt endlich losgeht.

Auf jeden Fall waren die Vorzeichen gut und ich wollte es mir auch kaufen und hatte es immer mal wieder in der Hand, aber dann hat es irgendwie nicht gepasst oder etwas anderes gefiel mir doch gerade besser.

Und dann war es auf einmal Sommer und vor mir liegen vier Wochen, auf die ich mich so gefreut hatte, vor denen ich aber auch Angst hatte, weil so alleine mit so viel Zeit, das könnte auch lähmen, dachte ich mir, weil die Struktur von außen auch immer einen Rahmen gibt und ich es doch wuselig mag. Und so saß ich da am ersten Tag meiner Sommerferien, ein wenig überfordert von den vielen Möglichkeiten und dem Übermaß an Zeit, die sonst immer fehlt. Einen Espresso trinken gehen, einen Käsekuchen dazu im Lieblingscafe um die Ecke, kann nicht schaden, dachte ich. So als Anfang. Und kurz am Briefkasten vorbei. Da lag ein Umschlag mit einer Karte drin und diesem Buch. Und dann war da ganz kurz dieser Kloß im Hals, wie ich ihn immer habe, wenn es zu viel des Guten ist oder des Traurigen oder irgendwas, auf jeden Fall zu viel Gefühl und überwältigt. Überwältigt und gerührt von den Worten und der Fernwärme. Und wegen des Timings.
Weil es jetzt gut war. Jetzt hatte ich ein Buch und damit etwas zum Festhalten.

“Die Kunst des Feldspiels” war mein Einstieg in diesen Sommer und alleine dafür liebe ich es. Weil es ein Festlesen war statt der sonst paar gestohlenen Seiten, die man dem Alltag abringt, in der S-Bahn oder kurz vor dem Einschlafen. Es war ein morgens anfangen zu lesen und erst wieder aufhören, wenn es leicht im Magen zieht und knurrt und mir einfällt, dass es ja auch noch andere gute und wichtige Dinge gibt. Essen zum Beispiel.

Und dann liebe ich es wegen der Geschichte. Es geht um Collegeleben und eine Schulmannschaft und Baseball und gleichzeitig um so viel mehr. Es geht um das Leben, um Erfolg, um Ehrgeiz und Entscheidungen und Spiel und darum, dass sich die Dinge irgendwie schon immer finden.
So wie mich dieses Buch.
Dankbar. Nicht nur dafür.