nah dran

078 106 197 212 231244 234 279 285 331In einem dieser Träume, von denen man keinem erzählt, weil man so groß nicht denken wagt, hatte ich immer ein kleines Cafe im Kopf. Meinen eigenen Ort. Und jetzt bin ich ein wenig beteiligt an einer Bar in München. Sie ist so, wie eine Bar wäre, hätte ich sie mir erträumt. So gemacht, wie solche Orte sein müssen. Mit viel Liebe zum Detail, zu den kleinen Dingen, zur Sache.
Und hätte ich nicht diese Bilder, könnte ich noch nicht glauben, dass dem so ist.

Das ist schon ziemlich nahe dran. Am unausgesprochenen Träumereien. Oder nicht mehr ganz so weit entfernt. Das passiert, wenn man wagt. Im Kopf.

das richtige Gemüt

_MG_0249Einen Satz gefunden oder er mich. Wer weiß das schon so genau. Aber auch wenn wir uns erst kurz kennen. Er bedeutet mir viel.

“Er hat und das ist vielleicht sein größtes Glück, das richtige Gemüt, um nicht zu verzweifeln. Er hat nicht die Aussichtslosigkeit des großen Ganzen im Blick, sondern die Machbarkeit des nächsten Schritts.”

aus dem Zeitmagazin

Montagsmögen

moegen (2)Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Diese Französinnen. Oh mein Gott oder Dieu. Auf jeden Fall sind sie klassisch und elegant und wunderschön. Zum Dahinschmelzen sind auch diese Trüffel. [1] Die weißen. Unglaublich. Zum Daniederknien. Und ein Lied. Zum im Liebesschmerz daniederliegen.

Und schon wieder: Kürbis

009011So gut und schön das saisonale Kochen auch ist, die negative Seite daran ist, dass einem Gemüse irgendwann über werden. Kürbissuppe in allen Variationen (wobei die mit Orangensaft weiterhin meine liebste ist), Kürbisauflauf, Kürbigulasch, Kürbispizza, Kürbischutney, Kürbispasta – alles schon gehabt. Aber irgendwo liegt immer noch ein Hokkaido rum, der aufgebraucht werden muss. Es droht zu kippen. Von der Kürbislust zum Kürbisfrust. Aber es gibt Kuchen. Und Kuchen hilft immer.
Und wenn der Kürbis schon im Kaffee landet, dann passt er auch in den Kuchen.

Kürbiskuchen/ Pumpkin Spice Latte Ergänzung
[Ausgangslage war dieses Rezept]

* 2 Tassen Mehl
* 3 Teelöffel Backpulver
* 1/2 Teelöffel Salz
* 1/2 Tasse Butter
* 1 Tasse Zucker
* 3 Eier
* 1 kleiner Hokkaido
* 3 Teelöffel Kürbisgewürz (Kurkurma, Zimt, Nelkenpulver, Piment, Muskat, Vanille, Ingwer)
* 1 Tasse Walnüsse

Den Kürbis klein schneiden und bei 180 Grad in den Ofen geben, bis das Fleisch weich ist und sich leicht von der Schale lösen lässt. Butter und Zucker schaumig schlagen, die Eier dazugeben, Kürbisgewürz und das leicht abgekühlte Kürbispüree. Langsam und nach und nach die trockenen Zutaten dazugeben. Ganz zum Schluss die gehackten Walnüsse unterheben und bei 180 Grad für 45 Minuten in den Backofen.

030038055So erwacht sie neu. Die Kürbisliebe. Es ist kein zu süßer Kuchen und die Kürbisnote subtil. Gerne ein kräftiger Pumpkin Spice Latte dazu. Alternativ kann sie auch mit Brezeln, Zimtschnecken und Pie erweckt werden. Wider dem Kürbisfrust.

Samstagskaffee

084Ein Samstagskaffee. Einer, der über fünfzig Jahre zurückgeht. Zu einem ganz wundervollen Gespräch. Hannah Arendt im Interview mit Günter Gaus. Eine Zeitreise. Ein zeitloses Gespräch. Ich frage mich, ob sich das gegenseitig bedingt. Hannah Arendt, die so klar und unaufgeregt spricht. Die nicht wirken muss oder beeindrucken möchte und es gerade deshalb tut. Ein Fragender, der die ein oder andere Gedankenschleife zulässt und nicht reduziert zuschneidet, einzig allein mit der Absicht eine möglichst provokante Headline zu produzieren. Es ist ein Gespräch. Und ob es an dieser Art zu fragen liegt, die selbst schon suchend ist, weiss ich nicht, aber dies erlaubt Sätze wie “…ob ich damit Recht habe oder nicht, weiß ich nicht” und alleine dies tut gut in einer Zeit der immer Bescheidwisser und Allesversteher, der aufgergten Talkshows und dem lauten Meinungsgetöse. 1 Stunde 12 Minuten. Das reicht für zwei Espressi und hallt lange nach, wie es Gespräche immer tun, die diesen Namen auch verdienen, weil in ihnen Fragender und Antwortender gemeinsam suchen und versuchen zu verstehen.

“…Ich habe einfach immer gemacht, was ich gerne machen wollte und ich habe mir nie überlegt, ob eine Frau das jetzt machen soll oder nicht und ob das gewünscht ist….”

“Wenn ich arbeite, bin ich an Wirkung nicht interessiert”.
Und wenn die Arbeit fertig ist?
“Dann bin ich damit fertig. Was für mich wirklich wesentlich scheint [...]: Ich muss verstehen.
Zu diesem Verstehen gehört bei mir auch das Schreiben.” 


“Die Frage nach der Wirkung ist eine männliche Frage. Männer wollen immer ganz furchtbar gerne wirken. Ich will verstehen und wenn andere Menschen verstehen im selben Sinne, wie ich verstanden habe, dann gibt mir das eine Befriedigung wie ein Heimatgefühl.”

Formschönes Highlight des Tages

002005Ich habe eine Überlistungsstrategie. Ich setzte mir Highlights. Einmal am Tag muss es eine Belohnung geben. Etwas Kleines, auf das ich mich freue. Es gibt Tage, da muss ich sehr, sehr früh aufstehen und einen Flieger in den Norden nehmen. Der Norden ist schön, aber das Aufstehen mitten in der Nacht, das macht mir den Rhythmus kaputt und bringt mich aus dem Takt.
Aber das macht nichts, denn mit dem viel zu frühen Aufstehen ist das Tageshighlight Franzbrötchen verbunden. Im Süden unbekannt, dabei sind sie so wunderbar formschön. Eines davon am Morgen und für alles entschädigt.

Franzbrötchen für zu Hause
[aus dem Buch Daylicious und von lykellig]

* 1 Hefewürfel
* 200 ml lauwarme Milch
* 500 Gramm Mehl
* 50 Gramm weiche Butter
* 50 Gramm Zucker
* 1 Ei
* 1 Prise Salz
* 120 Gramm Butter für die Füllung
* 50 Gramm Zucker
* 1 Esslöffel Zimt
Die Hefe in der lauwarmen Milch auflösen. Währenddessen die Butter schmelzen. Zuerst das Ei unterquirlen, dann die Butter, den Zucker untermischen und schließlich das Mehl mit Salz hinzukneten. Solange bis ein glatter Teig entsteht. Abgedeckt für eine Stunde ruhen lassen.
Den Teig nochmals kurz durchnketen und ausrollen.
Die Butter mit dem Zucker und Zimt zu einer Masse verrühren und auf die ausgerollte Teigplatte streichen. Einrollen und Dreiecke schneiden. Mit dem Stil eines Kochlöffels in der Mitte eindrücken, so dass der Teig und die Füllung an den Seiten herausquillt und die Franzbrötchen die schöne Franzbrötchenform bekommen.
Nochmals bedecken und eine halbe Stunde gehen lassen.
Dann bei 190 Grad für 20 Minuten in den Ofen.

Schmecken auch zu Hause. Als Belohnung für überstandene Montage oder leer gebügelte Wäschekörbe, abgearbeitete Postfächer oder einfach so. Weil sie so schön sind. Und das Leben meistens auch.

008011015

Wilde Wünsche

moegenStruktur gibt es doch immer genug. Bei Wünschen darf es durcheinander gehen. Einen Perserteppich suche ich fürs Wohnzimmer. Einen gebrauchten [1]. Irgendwo gesehen, weiß nicht mehr wo, aber seitdem auf der Suche. Sehr konsistent, man könnte sagen systematisch bin ich bei Turnschuhen. Gazellen mag ich weiterhin am liebsten [2]. Und Jeanshemden [3]. Wiederentdeckt. Und grandios sind sie. Ein toller Blog, dem ich das Rezept für das gesündeste Brot überhaupt verdanke und der jetzt als Buch [4] erscheint, landet ebenfalls auf meiner Wunschliste. Eine Chemex [5], eine so klassische wäre gut. Dieser Rock [6], bei dem man Parallelen zum Perserteppich ziehen könnte und in den ich mich, ich weiß nicht warum, schrecklich verliebt habe. Wie wunderschön er wäre, mit besagtem Jeanshemd beispielsweise. Dazu dann spitze Schuhe [7] und ein grüner Parka [7].
Redaktioneller Hinweis: Das Verzählen ist beabsichtigter Systemfehler.

Wildes Durcheinander mit System. Struktur erst wieder am Montag.

wie ein offenes Buch

056“Offenheit für ein Buch ist unerlässlich, und Offenheit ist einfach eine Bereitschaft, sich von dem, was wir lesen, verändern zu lassen. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Viele Menschen lesen, um ihre eigenen Ansichten zu erhärten. Sie lesen nur über ihre eigenen Interessengebiete. Sie glauben zu wissen, was für ein Buch es ist, ehe sie es aufgeschlagen haben, oder sie haben Regeln, die, wie sie sich einbilden, befolgt werden sollten, und reagieren mit Bestürzung, wenn etwas ihren Vorhersagen zuwiderläuft. Bis zu einem gewissen Grad liegt dies in der Natur der Wahrnehmung. Wiederholte Erfahrung schafft Erwartung, was die Art und Weise formt, wie wir die Welt, Bücher eingeschlossen, wahrnehmen.”

aus: Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt

wenigstens darauf ist Verlass

100103Dieses Jahr ist schon jetzt so vollgepackt mit Neuem. Es passiert so viel und ich komme nicht hinterher. So oft die Gelegenheit beim Schopfe gepackt in den letzten Monaten, dass es wenigstens beim Essen Verlässlichkeit sein muss. Der Glasnudelsalat enttäuscht nicht. Niemals. Man kann ihn an fünf Tage hintereinander abends zusammenrühren und jedes Mal schmeckt er wieder neu. Ich habe es ausprobiert. Verlässlich gut.

Verlässlich guter Glasnudelsalat
[beim Fräulein, ursprünglich von hier]

* 1 Packung Glasnudeln
* Olivenöl
* 400 Gramm gemischtes Hackfleisch
* 2 gehackte Knoblauchzehen
* 3 Teelöffel Masala
* 2 große Teelöffel geriebener frischer Ingwer
* 3 Teelöffel brauner Zucker
* 1 Bund Frühlingszwiebeln in dünnen Ringen
* 5 Esslöffel frischer Limettensaft
* 3 Esslöffel Fischsoße
* 2 Chilischoten
* 1 großer Bund frischer Koriander

Das Hackfleisch mit etwas Öl scharf anbraten. Salz, Pfeffer, Masala, den Knoblauch und Ingwer hinzugeben. Schließlich den Zucker hinzufügen, bis er schön kristallisiert. aufgelöst hat. Die Nudeln für zwei bis drei Minuten in heißes Wasser geben. Abtropfen und das Hackfleisch unterrühren. Frühlingszwiebeln, den Limettensaft, Fischsoße, die gehackten Chilis und etwas Öl in einer Schale vermischen und über die Nudel-Hackfleisch-Mischung geben. Reichlich Korianderblätter abzupfen und auf unter und zwischen die Nudelsalatmischung geben.
110Wenigstens darauf ist Verlass.

Bücher. Zehn.

025Das mit den Eiskübeln ging an mir vorbei. Die Frage nach zehn Büchern nicht.

  • Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera. Allein den Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und darin steckt sie schon, die Poesie, die wunderbare, die sich durch das Buch zieht.
  • I.M. von Connie Palmen und alle ihre Bücher. Connie Palmen schreibt Sätze, die so unmittelbar sind und so treffend, dass ich zusammenzucke, weil ich mich erkannt fühle. Sie benennt Dinge, die ich umschiffe und diese sezierende Ehrlichkeit ist so entwaffend und befreiend und wahr. So viel ärmer wäre ich, hätte ich ihre Bücher nicht gelesen.
  • Montauk von Max Frisch. Was ein Buch. Und natürlich Stiller für die schönste Passage, die je geschrieben würde über das Leben als Paar. Ach, und alle seine Tagebücher. Wie ärgere ich mich, dass so viele durch die Schullektüre von Homo Faber die Lust verloren haben auf diesen Schweizer Autor, den alle Welt lesen müsste, weil er so viel zu sagen hat.
  • Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben: Ein kleines Brevier der Tugenden und Werte von Andre Comte-Sponville. Ich lese es einmal im Jahr. Es ist zeitlos und berührt mich immer wieder an immer wieder neuen Stellen. Es lässt mich klein und ungenügend fühlend zurück und doch ermutigt.
  • Rot von Uwe Timm. Ich weiß nicht, was es ist mit diesem Buch. Aber ich mag es. So sehr.
  • Das Jahr magischen Denkens von Joan Didion. Es reißt einem den Boden unter den Füßen weg. Alleine die Vorstellung davon zu erleben, was sie erlebt hat. Aber es lässt gewappneter zurück, falls das möglich ist.
  • Wie Proust Ihr Leben verändern kann von Allain de Botton, weil es ein Einstieg in seine Bücher war und in die Videos von ihm auf youtube und er einfach großartig ist.
  • Bildung – Alles, was man wissen muß war ein Schlüsselbuch. Zum ersten Mal sah ich Zusammenhänge. Sonst verloren in Details und Einzelfakten und auf einmal zu verstehen, warum das passieren musste und wie Ereignisse verknüpft, das hat einen Blick geöffnet für das, was Bildung und Lesen sein kann.
  • C’est tout. Das ist alles von Marguerite Duras. Ein kleiner blauer Band. Wird nicht mehr verlegt. Einzelne Sätze, Tagebuchauszüge, die mich jedes Mal wieder wegreißen. Liegt immer neben meinem Bett.
  • Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Murakami. Ich mag sie so. Seine Sprache und die Klarheit. Wie Hajima das Leben so passiert, das hat mich eingesogen.

Montagsdienstagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag oder manchmal auch Dienstag: Zwei, die ich mag. Emerson Fry. Wie gut, dass sie nicht nach Deutschland liefert. Es ist klassisch, es ist grandios, es ist so, dass ich den gesamten Shop leerkaufen könnte. Ebenso zeitlos diese Uhr. Und so ein wenig zeitlos täte gerade ganz gut, da die Zeit verrinnt und viel zu schnell läuft und bald schon Weihnachten ist.

aufgelistet: Innenperspektive

006Zu Hause in der digitalen Welt bin ich. Das predige ich immer denen, die nur von außen betrachten und sich Urteile anmaßen. Aber als eine, die drin ist (und alt genug diesen schlechten Kalauer zu verstehen) und nicht wieder raus möchte, stelle ich mir doch immer wieder die Frage. Ob ich sie noch habe, die Kontrolle. Denn ich bin mir durchaus bewusst, dass ich sie nicht in der Hand habe und weiß darum, wie schnell man sie verlieren kann. Und was es mit mir macht, dieses alles. Noch suchend, immer hinterfragend, aber mittendrin, statt nur außen vor.

Nachdenkenswertes:

  • sieben Sünden. Die digitalen. Schon länger, immer, immer wieder gesehen. Jede einzelne. Und mich erkannt, manchmal ertappt gefühlt. Das süchtig-machenden Likes-Sammeln, das bestätigt Fühlen, das hier aber nicht da sein-Gefühl.
  • Andere sind immer schöner, klüger, glücklicher. Nur dass man jetzt noch so vielen mehr dabei zusehen kann und jeder seine 15 Minuten hat.
  • Optimier dich doch selbst, Du Opfer. Ein Text, der beschreibt, wozu es führen kann.
  • ein Lied, dass es gut zusammenfasst und das ich so gerne mag.
  • dieser Artikel auf Wired über eine, bei der die Ichs verschmelzen
  • ein Bericht über eine Abschlussarbeit, die zeigt, warum niemals alles so ist, wie es scheint
  • Und eine mögliche Antwort auf das alles. Die viel mehr Menschen lesen sollten.

Abendstudium für ein besseres Weltverständnis

032Ich habe es noch nicht ausgelesen. Aber wie sehr ich es schon jetzt mag. Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt, dieser Frau, die so schön ist und mit Paul Auster verheiratet und auf diese unglaublich Weise klug. Ich lese ihre Essays, einen nach dem anderen und schüttle immer den Kopf über ihr Wissen und ihre Neugier, was sie sich angelesen und angeeignet hat, wie sie verstehen will und begreifen, so unermüdlich wissensdurstig. Das lässt mich staunen. Immer wieder. Sie schreibt über das Lesen, neun Seiten lang und ich bleibe verwundert zurück, weil sie Aspekte beleuchtet und einen Blickwinkel wählt, der mich das, was ich zu kennen und zu wissen glaubte in anderem Licht sehen lässt. Die Essays, die kleinen Geschichten handeln nicht von den großen weltpolitischen Themen, sondern von Büchern, dem Verhältnis zur Mutter, über Blumen, über Frauen und Bildung oder Migräne. Sie tut dies mit einer unglaublichen Bildung, die so selten zu finden ist heute, vielleicht weil sie Zeit braucht. Sie verbindet ihr Wissen über Kunsttheorie, Literaturwissenschaften, Psychoanalyse, Philosophie und Neurowissenschaften, verknüpft dies und auf einmal erscheinen Alltäglichkeiten und Geläufiges in neuem Licht. Der Blumenstrauß auf dem Tisch ist nicht einfach mehr nur ein Blumenstrauß. Das Buch macht einen wieder zum Vierjährigen, der bei jedem Kieselstein fragt: Warum ist das so?

Das könnte jetzt alles sehr kompliziert machen, aber das tut es nicht. Weil sie bei den hinterfragten Alltäglichkeiten nicht abgleitet. Diese Kunst, die sie beherrscht, über die schreibt sie selbst am besten. In einem der Essays zitiert sie Beer, der ein Vorwort geschrieben hat für eine Einführung zu Autopoiesis and Cognition, die ich nicht kannte, von der ich nie gehört habe und auch nie lesen werde, aber sie hat es getan und darin stehen diese Sätze über das Expertentum, das so oft anzutreffen ist in unserer Zeit, nämlich, dass “ein Mensch, der Anspruch auf Wissen über irgendein kategorisierbares Stückchen Welt, wie klein auch immer, erheben kann, Wissen, das umfangreicher ist als das von sonst jemandem über dieses Stückchen, hat ausgesorgt: der Ruft wächst, die Paranoia ebenfalls. Die Zahl der Arbeiten nimmt exponentiell zu, das Wissen infinitesimal, doch das Weltverständnis nimmt eigentlich ab, weil die Welt in Wirklichkeit ein Interaktionssystem ist.” Siri Huvsted hat Weltverständnis, weil sie Disziplinen miteinander verknüpft, Verbindungen herstellt und damit dem, was Bildung im besten Fall sein könnte, näher kommt als sonst jemand. Und sie gibt es weiter.

Das könnte einschüchternd sein, ich könnte mich klein fühlen und schrecklich ungebildet, aber so ist es nie. Ihr Wissenshunger und Erkenntnisdurst lassen mich lesen und lesen, obwohl ich müde bin und schlafen sollte und manchem Gedanken auch gar nicht mehr folgen kann, aber egal, dann lese ich ihn am nächsten Tag nochmals. Immer mit offenem Mund und wacherem Geist.

Darüber musste ich schreiben. Ausgelesen haben werde ich es wahrscheinlich nie. Mit diesem Buch wird man nicht fertig.
Es gibt schließlich noch viel Welt zu verstehen.