Montagsmögen

montagsmoegenJeden Montag: Zwei, die ich mag: Garance Dore, die so französisch-schön ist und deren Umgang mit Mode ich so mag und die Haare und überhaupt alles. [1] und eine Bluse [2], die mit Vögeln so ein wenig französische Leichtigkeit mitbringt.

mit ganzer Leidenschaft

021Es sein ein männliches Buch, hat mir jemand gesagt. Es ist ein direktes, ein leidenschaftliches, ein intensives würde ich sagen. Eines, dass diesem Gefühl in jungen Jahren, wenn der Kopf ganz wenig bis gar nichts zu sagen hat, weil Gefühle und Hormone gänzlich das Steuer übernommen haben, näher kommt, als sonst irgendetwas.
Und ein trauriges, weil auch die intensivste Leidenschaft nicht ewig trägt und nicht für immer über Ungleichheit hingewegtäuschen kann.
Ein Spiel und ein Zeitvertreib gilt als der erfolgreichste Roman von Salter.
Das heißt nicht immer etwas. Hier schon.

Lebenslauf

_MG_0069“Was Marie-Anne angeht, sie lebt jetzt in Troyes oder hat dort gelebt. Sie ist verheiratet. Wahrscheinlich hat sie Kinder. Sie gehen sonntags spazieren, das Sonnenlicht fällt auf sie. Sie besuchen Freunde, reden, gehen abends nach Hause, tief in dem Leben, das, wie wir alle finden, so ungemein ersehnenswert ist.”

aus:Ein Spiel und ein Zeitvertreib von James Salter

Arbeitsort

231In den letzten Monaten, habe ich hier viel Zeit verbracht. Die späten Abend- und die ganz frühen Morgenstunden, die normalerweise so gar nichts für mich sind. Die Nächte durchgearbeitet. Wenn das so ist, dann sollte es wenigstens ein Ort sein, der gut ist, der einem gut tut, an den man gerne zurückkehrt.
_MG_9134105092115116_MG_9135_MG_9136238097113079Was mir hilft:

  • Ich neige zum Zweifeln, zum Zaudern, zum Hadern und zum Prokrastinieren sowieso. Da ist es gut, immer wieder daran erinnert zu werden, dass Aufgeben keine Option ist und dass das Glück und Erfolg einem nicht zufliegen. Ein kurzer Blick nach rechts genügt bei mir. Der sagt mir immer wieder, worauf es ankommt. Und weil ich einen Hauch zum Selbstmitleid tendiere, gerne auch in etwas rauherem Ton.
  • Lakritze stets in Reichweite zu haben, hilft ebenfalls sehr.
  • Weil Post sortieren und alle Routineaufgaben meines nicht sind, sind sie wenigstens hübsch drapiert: In einer alten Stechkartenbox aus der Firma meines Vaters. Von dem ich so vieles gelernt und mitgenommen habe: Das Rastlose, die Ideen, den Drang es nochmals besser zu machen, das Neugierige.
  • Außerdem sollte jeder ein paar Luftschlangen in der Schreibtischschublade haben. Man weiß nie, wann es etwas zu feiern gibt.
  • Erinnerungen, an alles, was man schon geschafft hatten, geben Mut. Weil sie mir zeigen, dass ich mich schon einmal getraut habe, dass ich das Herz schon einmal in der Hose hatte und es gutgegangen ist. Und diese kleinen Anstupser, die braucht es eben manchmal.
  • Bilder, Karten, Post, die von der schönen Sorte, alles, was mich kurz lächeln lässt, wenn ich von der Tastatur oder den Bildern aufsehe
  • Lagerkisten für Papiere, Unterlagen und alles Wichtige. Verpackt und ordentlich unter den Tisch gestellt, machen sie meine kleine Nische zu einem Arbeitsplatz.
  • endlich eine Labtophülle, die nicht nur praktisch, sondern auch schön ist.

Dazu Musik, ganz viel Musik, immer auf Repeat und grüner Tee in Litern und frische Blumen und das mit dem Durchhaltevermögen fällt nicht mehr ganz so schwer, sondern fast schon leicht.

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Verspätetes Montagsmögen

Unbenannt-1Verspätet, aber sonst jeden Montag: Zwei, die ich mag. Betty Halbreich, weil sie zeitlos ist, weil sie immer ihren Weg gegangen ist. Und weil ich dieses Cover unglaublich finde.[1] Und dann mag ich noch diese Loafer [2], die alles haben, was ein Schuh so braucht. Sie sind spitz und elegant und flach und zeitlos.

Auf der Suche

159167Das ist sehr schwer zu erklären. Diese Unzufriedenheit, die an einem nagt. Dieses Gefühl, dass es noch nicht ganz ist, dass noch etwas fehlt. Alle sagen, warum? Geht doch. Aber es geht nicht um geht doch, es geht um gut, um richtig gut. Um den entscheidenden Millimeter mehr oder weniger, um die Prise Anis, um das Wort, dass das einzig und alleinig richtige ist. Nicht das schon hundert Mal Gesehene. Sondern eine neue Note, eine neue Sicht auf die Dinge. Mit der die Welt auf einmal nicht mehr so ist wie sie vorher war. Schwer zu erklären.
Auf der Suche nach dem perfekten Knäckebrot. Dieses ist hier ist ziemlich nahe dran.

Crackers aux grains de carvi et pomme
[aus Meine französische Küche]

* 200 Gramm Roggenmehl
* 3 Gramm Trockenhefe
* 1/2 Teelöffel Kümmel
* 1/2 Teelöffel Salz
* 1 Prise Zucker
* 1 saurer Apfel
* 80 Milliliter warmes Wasser

Mehl mit dem Kümmel, der Hefe, dem Salz Zucker und dem geriebenen Apfel kneten und mit dem warmen Wasser zu einem klebrigen Teig verrühren. Abgedeckt für eine Stunde stehen lassen. Mit viel Mehl so dünn wie möglich ausrollen und Streifen in den Teig schneiden. Bei 180 Grad für 20 Minuten backen. Auseinander brechen.
169172176Ich glaube, das mit dem Apfel, das ist schon gut. Aber ich suche weiter.

Montagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Seinen Mann oder Frau stehen. Hauptsache gut aussehen dabei [1]. Eine Kaffeekanne fürs Büro. Eine, die gute Dienste leistet und dabei auch noch eine fabelhafte Figur macht [2].
Dieses Lied. Was ein Lied. Da ist alles drin. Altbekanntes und neu zu Entdeckendes. Das Leiden, das ganz große, am Leben und an der Liebe.

Rückzugsstrategie

montagmoegenZeit, sich zurückzuziehen. Ein Buch [1], das auf die Liste kommt, weil ich die Agentur mag und den Gedanken. Den des alles anders machen. Diese Lampe [2], schlicht und schön und elegant und doch in dem kleinen Detail besonders. Diese Tasche [3]. Zum Umhängen, Lederweich, groß genug, damit ganz viel Leben reinpasst. Diese Bluse [4]. Leicht französisch, klar. Nie genug davon im Schrank. Spitze Ballerinas in Gold [5], sind die, die mich ganz weit tragen sollen. Diese Decke [6]. Dick und weich und groß genug, um mich darin zu verstecken.
Dem geordneten Rückzug steht nichts mehr im Wege.

Rohfassung

_MG_0286Manchmal geht es ganz schnell.
Ab Minute 1:36 Tränen in den Augen. Nicht, dass ich mit allem übereinstimme. Aber das ist nebensächlich, wenn einer einen so nah dran lässt, so ehrlich, so verletzlich ist.
So roh.

“Ich finde das so sensationell hier.”

Montagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ordnung, alles an seinem Platz. [1] Aktuell vornehmlich in meinem Kopf, aber für die Wohnung würde ich das auch sofort in Anspruch nehmen. Solange dem nicht so ist, werfe ich nicht den Mantel des Schweigens, aber ein Cape über meine Schulter [2]. Die sind gerade in. Wenn man das Leben gerade nicht so auf die Reihe bekommt, möchte ich wenigstens gut dabei aussehen. Ein gutes Lied, das ganz ordentlich das Herz weich und den Kopf frei macht.

aufgelistet: nichts Besonderes

120098115096Nichts Besonderes. Mal wieder im Lenbachhaus gewesen. Ein wenig Beuys gesehen und allerhand Buntes. Gedacht, dass ich das doch öfters machen muss. Nichts Besonderes.

Nicht besonders, aber irgendwie doch:

  •  guter Rat. Der mit der Sonnencreme.
  • ein Artikel über die Literaturkritik. Hatte ich in etwa auch so gesagt und gemeint.
  • Ich komme nicht dazu, aber wenn ich käme, würde ich Pfirsichlimonade machen
  • was für die einen Schminkvideos sind, sind für mich Kochvideos. Green Kitchen ist mein liebster Kanal
  • sehr lustig zu sehen, wie der Lauf der Zeit doch die Sicht auf die Dinge ändert
  • mochte ich irgendwie das Lied und dieses sowieso
  • ein Interview mit Sophie Marceau, die sagen kann was sie will, sie ist Französin und so schön und ich gehe in jeden ihrer Filme. Das ist wie Audrey Tatou. Not debatable, wie der Engländer und vielleicht auch in diesem Fall der Franzose sagen würde.

“Schauspielen heißt: Man zeigt einen Teil von sich, den man im Alltag versteckt und nur nach innen auslebt.”

Ist das gut?

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Ich lese gerne. Und viel. Eigentlich fast immer. Zwischendurch in der S-Bahn, morgens bevor ich los muss, abends vor dem Einschlafen und immer wieder in den kleinen Momenten, die ich dem Alltag abringe. Nach Hobbies gefragt mit Lesen zu antworten stempelt einen in Sekunden zum Eigenbrötler ohne Freunde ab, aber selbst das ist mir egal. Wenn ich beim Lesen nur noch wenige Seiten vor mir habe, überkommt mich ein wenig Traurigkeit, wie vor einem Abschied. Es ist keine neutrale Beziehung, die ich zu Büchern habe.
Es ist eine hochgradig emotionale.

Mein Verlangen nach Büchern geht so weit, dass ich ein wenig unruhig werde, wenn keines zur Hand ist. Steht ein lange Zugfahrt bevor oder droht der Flieger sich zu verspäten, dann mache ich mich noch schnell auf zur Buchhandlung um Nachschub zu besorgen. Bei Alkohlikern wäre das ein klarer Fall von Suchtverhalten.

Bücher stapeln sich neben meinem Bett. Das beruhigt mich. Dann lese ich mal dieses an und mal jenes und immer wieder auch parallel.
Wenn ich bei jemanden zum ersten Mal in der Wohnung bin, geht mein erster Blick immer auf das Bücherregal. Dort mir bekannte  und vertraute Titel zu sehen oder solche, die mich neugierig machen, stellt in Minuten eine Verbindung her, für die es sonst Jahre bräuchte.

Die Bücher kaufe ich nach Empfehlung. Manchmal aufgrund von Logarithmen, manchmal, weil es mir jemand, den ich mag, ans Herz legt und manchmal weil andere darüber schreiben.

Davon schreibe ich, weil ich immer hadere, wenn mich jemand fragt, ob das Buch gut sei und weil ich diesen recht harschen Beitrag gelesen habe – und ganz egal wie gut oder schlecht das Buch tatsächlich ist – geht er mir nach. Ebenso wie einen Artikel, den ich mal über Christine Westermann gelesen hatte. Es wurde kritisiert, dass sie für Bücher schwärme, anstatt sie sorgfältig zu rezensieren.

Ich kenne die Funktion und Aufgabe von Literaturkritik und es geht nichts über die Sonntagszeitung und doch zucke ich zusammen. Es ist die abgeklärte Art, die natürlich ihre Berechtigung hat, das völlig Distanzlose und der grobe Verriss. Und in diesen Momenten bin ich so dankbar, dass es neben den großen Medien auch diese kleinen gibt, die manche mal als die Klowände des Internets bezeichnet haben, aber die keine Auftrag haben, nichts beweisen müssen oder mit ihrer Belesenheit prahlen, sondern einfach und ehrlich von einem Buch sagen dürfen, dass es ein gutes war, weil es ihnen gefallen hat. Die keine anderweitigen Kriterien anlegen müssen als ihren eigenen Geschmack. Es ist Raum für beides und es braucht diesen Ausgleich und tut gut, dass nicht einige wenige den Maßstab anlegen für gut oder schlecht, sondern auch andere Stimmen Gehör finden. Und seien sie noch so leise und klein. Dafür liebe ich das Internet.

Was ein Buch für mich zu einem guten Buch macht?

Anke Gröner hat etwas Schönes geschrieben über den Besuch von Museen und über die Wirkung von Kunst und ich würde eben solches sagen von Büchern. Sobald sie etwas machen mit mir, etwas auslösen in mir und wenn es nur ein Satz ist – dann ist es ein gutes Buch. Wenn es mich anders zurücklässt.
Das können nur Bücher. Ich kann eine Welt aus den Augen eines anderen sehen, die mir sonst für immer verschlossen wäre. Mit Büchern sehe ich immer wieder das Meer zum ersten Mal, so hat es Roger Willemsen beschrieben.

Die Geschichte ist fast nebensächlich. Das habe ich schon immer gedacht. Ob es um ein Paar geht oder einen Mann, ob sich wer findet oder verliert oder was wer sucht. Semantik, Satzstruktur alles fein. Es muss etwas bewegen, bewegen in meinem Kopf, meine Sichtweise ändern, neu austarieren. Dann ist es gut.
Es gibt auch Bücher, bei denen ich ganz persönlich meine Grenze ziehe. Die Frauenliteratur, die nur auf den einen Prinzen wartet und in der das Ende schon auf der ersten Seite absehbar ist. Da erweitert sich für mich nichts, da verengt es nur.

Aber auf alles andere, lasse ich mich ein. Auf deftige Sprache, auf Jugendliteratur, auf abwegigste Wirtschaftstheorien. Und wenn ich dann den Gedanken denke, den ich ohne dieses Buch nicht gedacht hätte, wenn ich die Welt ein wenig anders sehe, mehr verstehe oder einfach nur kurz weggetaucht bin in eine andere, dann war es ein gutes Buch. Wenn ich mir einen Satz herausschreibe, weil es dieser eine ist, der alles sagt, was zu sagen wäre in ebendieser Situation, dann ist es ein gutes Buch.
Dies alles kann ich so frei sagen, weil ich manches Mal fürs Schreiben, aber weniger fürs Lesen bezahlt werde.
Und beides sehr gerne tue.
Leidenschaftlich.
Und die trübt bekanntermaßen das Urteilsvermögen. Nur dass das manchmal auch gut so ist.

Unvorhergesehene Marillenknödel

_MG_9222Es hat ja meist alles seinen Platz. Schuhe gehören in den Schrank, die Füße unter den Tisch und das Runde ins Eckige. Und Freitags gibt es in der Kantine Süßspeisen. Da naht das Wochenende schon, da darf man sich etwas gönnen. Darf man auch schon Mittwoch mittags. Mit Marillenknödeln. Die kann man mit Kartoffeln oder mit Topfen zubereiten. Wo sonst Ordnung herrscht. Hier scheiden sich die Geister. Ich mag die Quark-Variante lieber.
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Marillenknödel außer der Reihe
[nach einem Rezept von hier und dann doch ganz anders gemacht]

  • 250 Gramm Topfen
  • 125 Gramm Mehl
  • 60 Gramm weiche Butter
  • 1 Ei
  • 6 Teelöffel brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 6 Aprikosen
  • Semmelbrösel
  • noch mehr Zucker

Die Butter mit einer kleinen Prise Salz verühren, das Ei  hinzugeben. Derweil den Topfen durch ein Tuch auswringen. Mit allen Zutaten und dem Mehl zu einem Teig verkneten.
Die Aprikosen entkernen und mit je einem Teelöffel braunen Zucker füllen. Mit dem Teig umhüllen und für zehn Minuten ins sprudelnde Wasser geben bis sie zur Oberfläche aufsteigen.
Währenddessen Semmelbrösel mit Zucker und etwas Butter anrösten, bis es knusprig ist.
_MG_9277_MG_9287Platz nehmen und feststellen, dass für sechs Knödel locker Platz im Bauch ist. Nicht nur Mittwochs.

So. Und jetzt?

062“So. Und jetzt? Wie oft ich mir diese Frage gestellt habe, in den letzten Stunden, Tagen, Wochen. So und jetzt und jetzt so. Live by the river!
Es gibt Tausende Und-jetzt-Möglichkeiten. Die Welt hatte noch nie mehr davon übrig. Sie sind unzählbar, umzingeln mich, bieten sich an auf einem silbernen Tablett, und die einzige Reaktion, die sie mir entlocken, ist das rotierende “So. Und jetzt?”
Willkommen in meiner Welt der Luxusprobleme. Ich könnte ja so vieles machen. Wie sagt man so schön: Ich hab´s ja.”

aus: Und alle so yeah von Rebecca Martin