Auf der Suche

159167Das ist sehr schwer zu erklären. Diese Unzufriedenheit, die an einem nagt. Dieses Gefühl, dass es noch nicht ganz ist, dass noch etwas fehlt. Alle sagen, warum? Geht doch. Aber es geht nicht um geht doch, es geht um gut, um richtig gut. Um den entscheidenden Millimeter mehr oder weniger, um die Prise Anis, um das Wort, dass das einzig und alleinig richtige ist. Nicht das schon hundert Mal Gesehene. Sondern eine neue Note, eine neue Sicht auf die Dinge. Mit der die Welt auf einmal nicht mehr so ist wie sie vorher war. Schwer zu erklären.
Auf der Suche nach dem perfekten Knäckebrot. Dieses ist hier ist ziemlich nahe dran.

Crackers aux grains de carvi et pomme
[aus Meine französische Küche]

* 200 Gramm Roggenmehl
* 3 Gramm Trockenhefe
* 1/2 Teelöffel Kümmel
* 1/2 Teelöffel Salz
* 1 Prise Zucker
* 1 saurer Apfel
* 80 Milliliter warmes Wasser

Mehl mit dem Kümmel, der Hefe, dem Salz Zucker und dem geriebenen Apfel kneten und mit dem warmen Wasser zu einem klebrigen Teig verrühren. Abgedeckt für eine Stunde stehen lassen. Mit viel Mehl so dünn wie möglich ausrollen und Streifen in den Teig schneiden. Bei 180 Grad für 20 Minuten backen. Auseinander brechen.
169172176Ich glaube, das mit dem Apfel, das ist schon gut. Aber ich suche weiter.

Montagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Seinen Mann oder Frau stehen. Hauptsache gut aussehen dabei [1]. Eine Kaffeekanne fürs Büro. Eine, die gute Dienste leistet und dabei auch noch eine fabelhafte Figur macht [2].
Dieses Lied. Was ein Lied. Da ist alles drin. Altbekanntes und neu zu Entdeckendes. Das Leiden, das ganz große, am Leben und an der Liebe.

Rückzugsstrategie

montagmoegenZeit, sich zurückzuziehen. Ein Buch [1], das auf die Liste kommt, weil ich die Agentur mag und den Gedanken. Den des alles anders machen. Diese Lampe [2], schlicht und schön und elegant und doch in dem kleinen Detail besonders. Diese Tasche [3]. Zum Umhängen, Lederweich, groß genug, damit ganz viel Leben reinpasst. Diese Bluse [4]. Leicht französisch, klar. Nie genug davon im Schrank. Spitze Ballerinas in Gold [5], sind die, die mich ganz weit tragen sollen. Diese Decke [6]. Dick und weich und groß genug, um mich darin zu verstecken.
Dem geordneten Rückzug steht nichts mehr im Wege.

Rohfassung

_MG_0286Manchmal geht es ganz schnell.
Ab Minute 1:36 Tränen in den Augen. Nicht, dass ich mit allem übereinstimme. Aber das ist nebensächlich, wenn einer einen so nah dran lässt, so ehrlich, so verletzlich ist.
So roh.

“Ich finde das so sensationell hier.”

Montagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ordnung, alles an seinem Platz. [1] Aktuell vornehmlich in meinem Kopf, aber für die Wohnung würde ich das auch sofort in Anspruch nehmen. Solange dem nicht so ist, werfe ich nicht den Mantel des Schweigens, aber ein Cape über meine Schulter [2]. Die sind gerade in. Wenn man das Leben gerade nicht so auf die Reihe bekommt, möchte ich wenigstens gut dabei aussehen. Ein gutes Lied, das ganz ordentlich das Herz weich und den Kopf frei macht.

aufgelistet: nichts Besonderes

120098115096Nichts Besonderes. Mal wieder im Lenbachhaus gewesen. Ein wenig Beuys gesehen und allerhand Buntes. Gedacht, dass ich das doch öfters machen muss. Nichts Besonderes.

Nicht besonders, aber irgendwie doch:

  •  guter Rat. Der mit der Sonnencreme.
  • ein Artikel über die Literaturkritik. Hatte ich in etwa auch so gesagt und gemeint.
  • Ich komme nicht dazu, aber wenn ich käme, würde ich Pfirsichlimonade machen
  • was für die einen Schminkvideos sind, sind für mich Kochvideos. Green Kitchen ist mein liebster Kanal
  • sehr lustig zu sehen, wie der Lauf der Zeit doch die Sicht auf die Dinge ändert
  • mochte ich irgendwie das Lied und dieses sowieso
  • ein Interview mit Sophie Marceau, die sagen kann was sie will, sie ist Französin und so schön und ich gehe in jeden ihrer Filme. Das ist wie Audrey Tatou. Not debatable, wie der Engländer und vielleicht auch in diesem Fall der Franzose sagen würde.

“Schauspielen heißt: Man zeigt einen Teil von sich, den man im Alltag versteckt und nur nach innen auslebt.”

Ist das gut?

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Ich lese gerne. Und viel. Eigentlich fast immer. Zwischendurch in der S-Bahn, morgens bevor ich los muss, abends vor dem Einschlafen und immer wieder in den kleinen Momenten, die ich dem Alltag abringe. Nach Hobbies gefragt mit Lesen zu antworten stempelt einen in Sekunden zum Eigenbrötler ohne Freunde ab, aber selbst das ist mir egal. Wenn ich beim Lesen nur noch wenige Seiten vor mir habe, überkommt mich ein wenig Traurigkeit, wie vor einem Abschied. Es ist keine neutrale Beziehung, die ich zu Büchern habe.
Es ist eine hochgradig emotionale.

Mein Verlangen nach Büchern geht so weit, dass ich ein wenig unruhig werde, wenn keines zur Hand ist. Steht ein lange Zugfahrt bevor oder droht der Flieger sich zu verspäten, dann mache ich mich noch schnell auf zur Buchhandlung um Nachschub zu besorgen. Bei Alkohlikern wäre das ein klarer Fall von Suchtverhalten.

Bücher stapeln sich neben meinem Bett. Das beruhigt mich. Dann lese ich mal dieses an und mal jenes und immer wieder auch parallel.
Wenn ich bei jemanden zum ersten Mal in der Wohnung bin, geht mein erster Blick immer auf das Bücherregal. Dort mir bekannte  und vertraute Titel zu sehen oder solche, die mich neugierig machen, stellt in Minuten eine Verbindung her, für die es sonst Jahre bräuchte.

Die Bücher kaufe ich nach Empfehlung. Manchmal aufgrund von Logarithmen, manchmal, weil es mir jemand, den ich mag, ans Herz legt und manchmal weil andere darüber schreiben.

Davon schreibe ich, weil ich immer hadere, wenn mich jemand fragt, ob das Buch gut sei und weil ich diesen recht harschen Beitrag gelesen habe – und ganz egal wie gut oder schlecht das Buch tatsächlich ist – geht er mir nach. Ebenso wie einen Artikel, den ich mal über Christine Westermann gelesen hatte. Es wurde kritisiert, dass sie für Bücher schwärme, anstatt sie sorgfältig zu rezensieren.

Ich kenne die Funktion und Aufgabe von Literaturkritik und es geht nichts über die Sonntagszeitung und doch zucke ich zusammen. Es ist die abgeklärte Art, die natürlich ihre Berechtigung hat, das völlig Distanzlose und der grobe Verriss. Und in diesen Momenten bin ich so dankbar, dass es neben den großen Medien auch diese kleinen gibt, die manche mal als die Klowände des Internets bezeichnet haben, aber die keine Auftrag haben, nichts beweisen müssen oder mit ihrer Belesenheit prahlen, sondern einfach und ehrlich von einem Buch sagen dürfen, dass es ein gutes war, weil es ihnen gefallen hat. Die keine anderweitigen Kriterien anlegen müssen als ihren eigenen Geschmack. Es ist Raum für beides und es braucht diesen Ausgleich und tut gut, dass nicht einige wenige den Maßstab anlegen für gut oder schlecht, sondern auch andere Stimmen Gehör finden. Und seien sie noch so leise und klein. Dafür liebe ich das Internet.

Was ein Buch für mich zu einem guten Buch macht?

Anke Gröner hat etwas Schönes geschrieben über den Besuch von Museen und über die Wirkung von Kunst und ich würde eben solches sagen von Büchern. Sobald sie etwas machen mit mir, etwas auslösen in mir und wenn es nur ein Satz ist – dann ist es ein gutes Buch. Wenn es mich anders zurücklässt.
Das können nur Bücher. Ich kann eine Welt aus den Augen eines anderen sehen, die mir sonst für immer verschlossen wäre. Mit Büchern sehe ich immer wieder das Meer zum ersten Mal, so hat es Roger Willemsen beschrieben.

Die Geschichte ist fast nebensächlich. Das habe ich schon immer gedacht. Ob es um ein Paar geht oder einen Mann, ob sich wer findet oder verliert oder was wer sucht. Semantik, Satzstruktur alles fein. Es muss etwas bewegen, bewegen in meinem Kopf, meine Sichtweise ändern, neu austarieren. Dann ist es gut.
Es gibt auch Bücher, bei denen ich ganz persönlich meine Grenze ziehe. Die Frauenliteratur, die nur auf den einen Prinzen wartet und in der das Ende schon auf der ersten Seite absehbar ist. Da erweitert sich für mich nichts, da verengt es nur.

Aber auf alles andere, lasse ich mich ein. Auf deftige Sprache, auf Jugendliteratur, auf abwegigste Wirtschaftstheorien. Und wenn ich dann den Gedanken denke, den ich ohne dieses Buch nicht gedacht hätte, wenn ich die Welt ein wenig anders sehe, mehr verstehe oder einfach nur kurz weggetaucht bin in eine andere, dann war es ein gutes Buch. Wenn ich mir einen Satz herausschreibe, weil es dieser eine ist, der alles sagt, was zu sagen wäre in ebendieser Situation, dann ist es ein gutes Buch.
Dies alles kann ich so frei sagen, weil ich manches Mal fürs Schreiben, aber weniger fürs Lesen bezahlt werde.
Und beides sehr gerne tue.
Leidenschaftlich.
Und die trübt bekanntermaßen das Urteilsvermögen. Nur dass das manchmal auch gut so ist.

Unvorhergesehene Marillenknödel

_MG_9222Es hat ja meist alles seinen Platz. Schuhe gehören in den Schrank, die Füße unter den Tisch und das Runde ins Eckige. Und Freitags gibt es in der Kantine Süßspeisen. Da naht das Wochenende schon, da darf man sich etwas gönnen. Darf man auch schon Mittwoch mittags. Mit Marillenknödeln. Die kann man mit Kartoffeln oder mit Topfen zubereiten. Wo sonst Ordnung herrscht. Hier scheiden sich die Geister. Ich mag die Quark-Variante lieber.
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Marillenknödel außer der Reihe
[nach einem Rezept von hier und dann doch ganz anders gemacht]

  • 250 Gramm Topfen
  • 125 Gramm Mehl
  • 60 Gramm weiche Butter
  • 1 Ei
  • 6 Teelöffel brauner Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 6 Aprikosen
  • Semmelbrösel
  • noch mehr Zucker

Die Butter mit einer kleinen Prise Salz verühren, das Ei  hinzugeben. Derweil den Topfen durch ein Tuch auswringen. Mit allen Zutaten und dem Mehl zu einem Teig verkneten.
Die Aprikosen entkernen und mit je einem Teelöffel braunen Zucker füllen. Mit dem Teig umhüllen und für zehn Minuten ins sprudelnde Wasser geben bis sie zur Oberfläche aufsteigen.
Währenddessen Semmelbrösel mit Zucker und etwas Butter anrösten, bis es knusprig ist.
_MG_9277_MG_9287Platz nehmen und feststellen, dass für sechs Knödel locker Platz im Bauch ist. Nicht nur Mittwochs.

So. Und jetzt?

062“So. Und jetzt? Wie oft ich mir diese Frage gestellt habe, in den letzten Stunden, Tagen, Wochen. So und jetzt und jetzt so. Live by the river!
Es gibt Tausende Und-jetzt-Möglichkeiten. Die Welt hatte noch nie mehr davon übrig. Sie sind unzählbar, umzingeln mich, bieten sich an auf einem silbernen Tablett, und die einzige Reaktion, die sie mir entlocken, ist das rotierende “So. Und jetzt?”
Willkommen in meiner Welt der Luxusprobleme. Ich könnte ja so vieles machen. Wie sagt man so schön: Ich hab´s ja.”

aus: Und alle so yeah von Rebecca Martin

geschmackvoll

004“Um die Weißheit [der Wände] provisorisch zu entkräften, habe ich ein paar Poster aufgehängt: ein Portrait von Romy Schneider ist dabei und das Filmplakat von Pulp Fiction. Von beiden vermute ich, dass Besucher daran ablesen können, dass ich einen guten Geschmack habe.”

aus: Und alle so yeah von Rebecca Martin

Montagsmögen

montagsmoeggggenJeden Montag: Zwei, ich mag. Manchmal das “weniger ist mehr” über Bord werfen. Mit diesem Brokatkleid [1]. Ich könnte es zu Weihnachten tragen und daran darf ich schon denken, denn es stehen ja auch schon Lebkuchen im Supermarkt. Außerdem dieses Buch [2] vorbestellen. Von einer meiner liebsten Food-Bloggerinnen. Dekadenz in Gebäckform. Wunderbar.
Bei der Musik doch lieber schlicht und ruhig bleibend.

leichter Wegbegleiter

711Ich mag Bücher, an denen ich mich abarbeiten kann, die sich mir nicht erschließen, die ich knacken muss, bei denen ich um jede einzelne Seite, ach was, um jeden Satz kämpfe. Aber auch die leichten. Die, die mit denen ich lesend und wach wegdämmern kann, nicht nachdenken muss, wo es jetzt langgeht, sondern einfach der Geschichte folgen kann.
Wenn Bücher Gespräche sind, dann ist es eine nette Unterhaltung. Diese kleinen Pläusche zwischendrin, für die ich gerne anhalte. Nicht der sich ewig ziehende Small-Talk und auch nicht die Erkenntnis-schwere Unterhaltung beim Rotwein in der Nacht. Aber die drei Minuten mit der Nachbarin aus dem Erdgeschoss, die paar Worte mit dem türkischen Gemüsehändler – all die Gespräche, die nicht nötig wären, es aber doch lebenswerter machen das Leben.

Und alle so yeah ist so ein Buch. Ein leichtes, ein netter Plausch. Ein Buch, das in die Vergangenheit führt, das ich gerne gelesen hätte als ich jünger war. Wobei das Alter egal ist, weil es auch davon handelt, wie es ist, wenn es zu viele Möglichkeiten gibt, zu viele offene Türen, zu viele Chancen und immer die lauernde Angst den falschen Weg zu nehmen oder den richtigen Pfad zu verpassen. Das ist heutzutage alterslos.
Und deswegen eben tut es so gut, sich ein paar Stunden leicht zu unterhalten und dann tapfer weiter des Weges zu gehen.

“Wenn erwachsen werden bedeutet, Träumen beim Zerrinnen zuzuschauen, dann ist das keine schöne Beschäftigung. Da wäre es mir, glaube ich, lieber, ewig am äußersten Rand des Sprungbretts zu stehen, zu wissen, dass du gleich springen wirst, und nicht zu wissen, was das für ein Gefühl ist, nachdem du gesprungen bist. Das Gefühl nach dem Eintauchen und wie es ist, zurück an die Oberfläche zu straucheln, während der von deinem Sprung ausgelöste Strudel sich langsam auflöst. Ja, ich glaube, diesen Zustand wählte ich: Die Sehnsucht, die Vergangenheit hinter dir zu lassen, und die mit Furcht gepaarte Vorfreude, endlich den entscheidenden Schritt nach vorne zu treten.”

Wünsche werden wahr

134“Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen,
Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.
Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar;
wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen.
So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.”

Goethe [hier gefunden]

Samstagskaffee. Ein Hoffnungsvoller.

019Samstagskaffee. Einer über Hoffnung, Widerstände und Kraft.

  • dieser Blog heißt stepanini und stammt aus dem Land, in dem ich erwachsen geworden bin. Südafrika. Und an dem ich mit einer Sehnsucht hänge, die ich nicht erklären kann. Dieser Artikel von einem, dem es ähnlich ging, hilft zu verstehen. Wenn ein Land für Hoffnung steht, dann dieses.
  • das größte Versprechen im Leben. Für immer. Und eine, die es auf wunderschöne und ganz unkitischige Weise einfängt und festhält.
  • Ein Interview, das mich berührt hat. Wegen der Reife, die nicht vom Alter herrührt, der Klarheit und Selbstbestimmtheit.
    “Sobald man etwas Schwieriges überwindet, kommt ein solcher Schub an Energie, dass man gar nicht versteht, wie man es hat schwierig finden können.”