Montagsmögen

montagsmagJeden Montag: Zwei, die ich mag. Niemals, nie vergessen, dass es einfach keine Option ist.[1] Niemals, nie vergessen, das Herz am rechten Fleck zu tragen [2]. Niemals, nie vergessen, dass gute Musik alles gleich besser macht. Den Rest vergessen. Und jetzt: Weitermachen.

Samstagskaffee und Samstagsabendfilm in wild

097Ein Affrogato zum Frühstück. Samstagskaffee. Eine Kugel Vanilleeis gleich in der Früh unter den Espresso geschmuggelt und damit in die Vollen gehend. Auf einen Samstagsabendfilm verweisend. Bonjour Sagan.

Ein Film über Francoise Sagan, die mit 18 das Buch “Bonjour Tristesse schrieb, das ich gelesen habe als ich ungefähr so alt war, aber das mir heute noch in Erinnerung ist. Es ist ein Buch über das Erwachsenwerden, über einen Sommer im Ferienhaus, so voller Lebenslust und ungezügeltem Hedonismus. Da wird das Leben ausgekostet und gleichzeitig zieht sich immer dieser Hauch Melancholie, der tiefschönen Traurigkeit durch die Seiten wie eine leichte Meeresbrise.

Francoise Sagan, die eine Leben lebte wild, ungestüm, maßlos und traurig. Die ebensolche Bücher schrieb. Immer in die Vollen gehend. “Ich habe immer gelebt, ohne zu zählen. Das Geld, die Zeit, alles ist zerronnen.”

Ich hingegen habe die Postkarte mit dem Aufruf wild und gefährlich zu leben an der Kühlschrank-Tür hängen, aber da sich bereits das Verspeisen von Eis zum Frühstück verwegen anfühlt,  schaue ich mir am Abend zum zweiten Mal die verfilmte Biographie einer wahrhaften Wilden an. Aus der sicheren Perspektive des eigenen Sofas. Alles andere wäre zu gefährlich.

Weinbergpfirsich a la carte

weinbergpfirschiEs gilt die Saion voll auszukosten. Sich sattzuessen, so lange es noch geht. Jetzt liegen sie im Supermarkt, die Weinbergpfirsiche. Alleine dieser Name. Und diese Form.

In der Pfanne anrösten oder auf den Grill legen. Als Salat mit Ziegenkäse und gerösteten Pinienkernen und Balsamicodressing.
Danach gleich noch zwei grillen.

weinbergpfirschi - Kopie

Etwas Frischkäse mit Vanillezucker verrühren. Eine viertel Tasse braunen Zucker mit etwas Wasser aufkochen und zehn Minuten köcheln lassen bis es Sirup-ähnliche Konsistenz annimmt. Dann zwei kräftige Schuss Sahne unterrühren. Einen Schuss Bourbon dazu. Und zum Schluss etwas Meersalz. Auf den warmen Pfirsich die Vanille-Frischkäse-Creme und dann ganz langsam den salzig-süßen Bourbon-Karamell darüber gießen.

Glauben, man sei im Himmel.
Beschließen gleich morgen nochmals Weinbergpfirsiche zu kaufen. So lange es noch welche gibt.

Ferienzeit

028Die paar Wochen im Jahr. Wenn Tage ineinanderfließen, wenn es Dienstag sein könnte oder Mittwoch, vielleicht auch schon Donnerstag und selbst das wäre egal. Wenn ich mich frage, ob ich noch frühstücken soll oder lieber gleich zu Mittag essen. Wenn die einzigen wichtigen Entscheidungen, die es zu treffen gilt, die sind, ob ich nachdem ich gestern ein Nogger und vorgestern zwei Magnum hatte, heute vielleicht das Solero nehmen soll. Wenn ich mir einfach noch eine Folge Newsroom ansehe, weil es egal ist, wie spät es ist und wie spät es wird, weil die die Stimme der Vernunft auch im Urlaub weilt. Wenn ich mich nicht frage, was ich morgen anziehen soll, weil da noch ein T-Shirt über dem Stuhl hängt, der Bikini obligatorisch ist und Flip-Flops und barfuß mich sowieso ganz weit tragen. Wenn ich im Grass am Fluß liege, weil allein das schon eine tagesfüllende Tätigkeit sein kann und den Wolken zusehe und nichts passiert, rein gar nichts und das gut so ist. Wenn ich keine Listen schreibe, weil es nichts aufzuschreiben gäbe, nichts zu erledigen ist, außer auszuruhen und damit auch nichts zum nicht vergessen. Wenn ich ein Buch am Stück lese, von der ersten bis zur letzten Seite, von vorne bis hinten, vollständig eintauche in die Sätze und die Geschichte und etwas benommen nach Stunden wieder auftauche. Wenn ich von Geschäft zu Geschäft flaniere und in Cafes sitze und nichts tue und mich treiben lasse, weil es keine Termine rufen oder Verpflichtungen, einfach nichts und niemanden, der den Takt vorgibt außer mir selbst. Wenn die Haut riecht, wie Haut nur im Sommer riecht nach Sonne und Meer, selbst wenn letzteres ganz weit weg ist. Wenn die Müdigkeit am Abend von dieser Art der schönen Schläfrigkeit ist, leicht ermattet, dahindämmernd, langsam in den Schlaf gleitend, statt erschlagen.

Wenn das so ist.

Dann sind wohl Ferien.

schöne Frauen

3bde06abad55bc6c7a5914dab9737a63Diesen Film gesehen und gleich mal wieder im Buch von Peter Lindbergh geblättert. Wie er Frauen festhält, so stark, im Männerhemd, von dieser unglaublichen Schönheit und mit direktem Blick.

Montagsmögen

montagsmoegen_23Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Meinen eigenen Kopf zu haben. [hier entdeckt] Immer. Ist mir doch egal. Die Musik von Keith Jarrett und Charlie Haden kann einem nicht egal sein. Zu schön, zu zart ist sie.

die Laufschuhe schnüren

012016“Die meisten laufen nicht, weil sie länger leben wollen, sondern weil sie ein schöneres Leben führen wollen. Ist es nicht viel angenehmer, zehn Jahre mit klaren Zielen und voller Vitalität zu verbringen, als nur in den Tag hineinzudämmern?
Ich glaube, das Laufen verhilft dazu.
Sich selbst bis an seine persönlichen Grenzen zu verausgaben ist die Essenz des Laufens und eine Metapher für das Leben überhaupt (und für mich auch für das Schreiben).”

aus: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami

für Sommerregentage

stepanini_magAn Sommerregentagen virtuell durch die Läden ziehen. Auf meiner Wunschliste sind gelandet: Ein schlichtes, weißes T-shirt ohne Firlefanz [1] und ein neues Magazin “Liebling” [2]. Für Kinder und Babies das T-Shirt mit dem Bären [3]. Neue Turnschuhe sind eingezogen [4] und es läuft sich gleich viel schneller und leichter. Es tippt sich viel schneller und leichter mit Urlaubsgefühl auf den Händen [5]. Die Leuchtschrift im Flur [6], das wäre eine sehr große Sache.

warmer Salat

246Salat. Salat. Salat. Sehr gerne warm. Warm ist immer besser.
Einfach Rucola, Babyspinat, Feldsalat oder von allem etwas. Zuchini in dünne Scheiben schneiden, anbraten, getrockneten Tomaten klein schneiden, Pinienkerne anrösten. Mit Ziegenkäse und Balsamicoreduktion beträufeln.

Gekochtes lesen

kochbuchEigentlich stehen schon genug im Regal. Aber für das ein oder andere wäre noch Platz. United States of cakes hört sich gut an. Schwelgen in der amerikanischen Backkultur, die mit Whoopies, Pies, Brownies so wunderbar buttrig-dekadent ist. Amerikanisch. Immer nochmal eines drauf.

Auf die Hand ist das neue Kochbuch, von dem, der über Essen schreibt, wie kein anderer. Mit dieser ganz eigenen Mischung aus Poesie und Präzision. In seinen neuen Buch geht es um Streetfood mit Rezepten und Geschichten über die Menschen dahinter. 

What Katie ate at the weekend ist ein Bilderbuch. Schon ihr erstes Buch war großartig, ihr Blog ist eine Augenweide. Man muss das gar nicht kochen, man kann nur darin blättern, in die Bilder eintauchen, die im Aufbau Gemälden gleichen. Üppig und barockesk. Auch wenn es dieses Wort nicht gibt, hierfür müsste es erfunden werden. Fotos, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, die überbordend sind und voll und Lust machen.

Und dann wäre da noch Bread Exchange. Eine wunderschöne Schwedin (die auch noch schön wohnt) backt Sauerteigbrote und tauscht diese. Gegen alles. Nur kein Geld. Das bringt ihr Geschichten ein, die zu lesen, es lohnt.

Wie gesagt: Ich habe noch Platz.
Und jetzt Hunger.

Neues von der Front und eine Ode auf das Lernen

002112Gestern war wieder einer dieser Tage, da lief es. Es war im Fluss. Besser noch: Es ist ein wenig wie ein Rausch. Und das ist es wirklich. Ich kann mich an eine Zeit erinnern, als ich mitten in der Abschlussprüfung war und es waren nur noch sechs Wochen und ich verbrachte den Großteil der Stunden über den Büchern. Das ist ein wunderbarer Cocktail. Einer aus leichter Panik, die zum konzentrierten Denken, Lesen und Lernen zwingt und keine Ablenkung durch Internet, Cafebesuche oder nicht-wissenschaftliches Lesen duldet. Kein schnelles Mails checken oder mal kurz bei instagram vorbeischauen. Da entsteht bei mir so eine Wachheit und Klarheit in den guten Momenten, eine Art von gesteigerter Aufmerksamkeit, eine Fokusiertheit im Kopf, weil für Alltagsgedanken, Einkaufslisten und kreisendes Sorgen kein Platz mehr ist. Vollkommene Selbstvergessenheit, absolute Konzentration. So muss es sich anfühlen, auf Koks zu sein.

Am Anfang ist da dieser Berg und nichts macht Sinn, aber wenn sich langsam, sehr langsam Zusammenhänge erschließen, etwas klar wird, warum es so sein muss, dann ist das ein berauschendes Gefühl. Eines, das mehr will. Noch mehr sehen, noch mehr wissen, noch mehr verstehen. Ich öffne eine Tür und dann ist da ein Raum und es gibt noch mehr zu sehen und zu entdecken.
Hätte mir einer in der Schulzeit gesagt, dass es auch so sein kann, ich hätte ihm nicht geglaubt.

Nach ein paar Stunden dann ein Gefühl von Müdigkeit und Schwere im Hirn. Wie Muskelkater. Als hätten die Synapsen zu viel und zu lange getanzt. Und es gibt einen Unterschied zwischen der Müdigkeit durch Routine und Alltägliches und der, wenn der Geist gefordert wurde. Es ist eine leichte Schwere, weil ich weiß, woher sie kommt. Die müden Muskeln, die ich nach dem Laufen, habe. Die Kopfarbeit und das Laufen. Sie haben so vieles gemeinsam, weshalb ich unbedingt das Buch von Murakami nochmals lesen muss.

Das war gestern also ein großartiger Tag und der heutige kann als solala bezeichnet werden. Müde, ohne viel gedacht zu haben und hoffnungslos dem Prokastinieren anheimgefallen. Aber auch das mit vollem Einsatz.

* Es gibt einen kostenlosen Kurs zu belegen. Mache ich gerade. Jodel-Diplom kann jeder. Zertifiziertes Prokastinieren ist die Kunst. Man weiß nie, wann man das nochmal brauchen kann.

* dieses Buch gelesen. Von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Und ich kann sagen: Es hat einen wunderbarer Effekt. Sie schreiben, dass ihr realistisches Minimalziel ist, dass man nach der Lektüre des Buches nichts an seinem Leben ändert, sich aber besser fühlt als vorher. Gelungen. Wenn ich schon gelernt habe, mir vor Augen zu führen, was ich alles schaffe, dann ist dieses Buch noch mal ein Extraschuss Balsam für die Seele. Zwar basierend auf der niederen menschlichen Motivation, dass die Tatsache, dass andere noch viel schlimmer sind als ich selbst, aber sei es drum. Sie berichten von abgestellten Telefon, Wasser oder Strom, weil Briefe nicht geöffnet wurden, abgeschleppten Autos, weil KFZ-Versicherungen übersehen wurden und dagegen scheint mir mein stundenlanges Internetsurfen und lange will-ich-irgendwann-mal-machen-aber-morgen-ist-auch-noch-ein-Tag-Listen führen lächerlich.
Das Buch kann aber noch mehr, weil es natürlich gut recherchiert ist und die Grundsatzfrage nach guter Arbeit stellt, die nämlich immer selbstbestimmt und frei gewählt ist. Dass die Mär der dauernden Beschäftigtsein vergisst, dass in denen des Nichtstuns auch viel getan wird und die sehr gute Strategie der “Sprungbrett-Prokrastination”. So wie im Kampfsport die Energie des Gegners genutzt wird, um ihn auf die Matte zu werfen, so nutzt der gute Prokrastinator das Aufschieben der einen Tätigkeit um eine andere zu erledigen.

* Das macht auch Ira Glas so. Während man etwas anderes tun sollte, kann man sich ansehen, wie andere so arbeiten. Und weil er so etwas Wunderbares gesagt hat,darüber, warum es lange braucht, bis man mit der eigenen Arbeit zufrieden ist, lasse ich das zum Schluss stehen.

Und gehe jetzt mal was anderes machen.
Also das, was ich eigentlich tun sollte.

“Nobody tells this to people who are beginners, I wish someone told me. All of us, who do creative work, we get into it because we have good taste. But there is this gap. For the first couple years you make stuff, it´s just not that good.
It´s trying to be good, it has potential, but it´s not. But your taste, the thing that got you into the game, is still killer. And your taste is why your work disappoints you. A lot of people never get past this phase, they quit. Most people I know who do interesting creative work went through years of this.
We know our work doesn´t have this special thing that we want it to have. We all go through this. And if you are just starting out or you are still in this phase, you gotta know its normal and the most important thing you can do is do a lot of work. Put yourself on a deadline so that every week you will finish one story.
It is only by going through a volume of work that you wil close that gap, and your work will be as good as your ambitions.
And I took longer to figure out how to do this than anyone I´ve ever met.
It´s gonna take awhile.
It´s normal to take awhile.
You´ve just gotta fight your way through.”

 

Montagsmögen

montagsmag_stepaniniJeden Montag: Zwei, die ich mag. Mir fehlen die Worte für diese zwei Liegestühle [1]. Nur, dass ich sie sehr mag, das weiß ich. Ebenso wie diese gestreiften Geschirrtücher [2]. So schön schlicht. Ich bin ein großer Freund der Schönheit im Alltag. Selbst beim Abtrocknen. Es sind die kleinen Dinge, die am Ende den großen Unterschied machen.
Von großer Schönheit ist diese Sängerin. Und ihr Gesang. Ein abgenutztes Radio-Lied erstrahlt in neuer Schönheit. So mag ich das.

mehrmals

103In der schönsten Stunde, der blauen Stunde auf dem Balkon sitzen und den schönste Sommerabendhimmel vorbeiziehen sehen und die Sonntagszeitung durchblättern und an einem Text hängenbleiben, den ich zwei Mal lese, weil er so nachgeht und anrührt. Das Portrait eines Nachkriegskindes.

“Es gibt sie, die Lust, das Leben zu verpassen.
Keinen Appetit auf  Erfahrungen, keinen Lebenshunger, weil nichts einen in euphorische Höhen trägt, aber auch nichts in tiefe Melancholie fallen lässt.”

aus: Es geht ihr doch gut. Von Nicole Quint in der FAZ

Und ein Lied, dass ich heute nicht zwei Mal, sondern mindestens fünf Mal gehört habe, weil es zum langsamen, faulen Sonntag passt und zu lauen Sommerabenden und genau richtig ist zum Fallenlassen in tiefschönster Melancholie.

Gutes immer mehrmals.