zinsfrei

129“Entspann dich und schau dich nicht allzu viel um, Antonia. Diese Leute können uns nichts anhaben. Du und ich, wir werden nie so sein, wie sie es sind und uns haben wollen. Wir werden nicht unser Leben lang Danke und Bitte sagen und aus jeder Hilfe eine Investition machen, um später etwas gutzuhaben. Ich gebe dir ausschließlich, um zu geben, und erwarte nur, dass du mir ebenfalls gibst, damit auch ich dir wieder geben kann. Wir legen keine Vorräte an, sondern tauschen ständig dieselbe Materie aus, und wie der Schnee, den man zwischen den Händen zusammenpresst, wird sie immer kompakter und fester.”

aus: Wörterbuch der Liebe von Guilia Carcasi

sehr

stepnaninie.. - KopieSehr leicht, sehr schnell gemacht, sehr gut zu etwas Brot und Wein oder auch einfach so. Erst in Scheiben schneiden, dann kurz kochen, mit kaltem Wasser abspülen, über Nacht ruhen lassen und am nächsten Tag in Olivenöl frittieren. Mit Chili würzen oder etwas Minzpfeffer oder mit grobem Meersalz.
Sehr knusprig, sehr süchtig-machend. Sehr Rote Beete Chips.
stepnaninie.. - Kopie (2)

hin und weg von Roger

311Roger Willemsen, für den ich schon lange  eine geheime Schwäche hege, der sowieso immer Kluges, Berührendes formuliert und mich immer wieder trifft, sagt hier etwas so Schönes über seine Beweggründe für das Schreiben: “Ich schreibe, um zu rühren. Ich schreibe, um zu amüsieren. Ich schreibe, um Kenntnisse in die Welt zu setzen. Ich schreibe, um Artenschutz für meine Art des Lebens aufrecht zu erhalten, um die Meinen zu schützen. 
Die Meinen, das sind verschrobene Leute mit Minderheiteninteressen, die dann und wann impulsartig humanitär bewegt sind und die eine andere Vorstellung davon haben, wie gelebt werden sollte und die sich in Notwehr dauernd zur Welt verhalten müssen, weil sie ein Schrumpfen ihres eigenen Milieus sehen, ihres Lebensraums, ihrer Interessen, der Dinge, die sie noch wiederfinden, von dem was sie gerne hätten und mir scheint das eine sehr plausible Tätigkeit zu sein, dann tue ich alles dafür diesen Lebensraum aufrecht zu erhalten.”

Und wer ihm nach diesen Sätzen noch nicht verfallen ist, der muss nur diese Sendung sehen.
Ich liebe, wie er auf die Frage, wie lange er schreibt mit dieser tiefen, ehrlichen Sehnsucht in der Stimme sagt: “Solange ich irgend kann.” Wie er ringt um eine Genauigkeit, die mir so oft fehlt, wenn ich hinweghusche und an der Oberfläche bleibe. Und so bewundere ich ihn dafür, wie er präzise nach Worten sucht, nach dem einen richtigen. Und erfreue mich dann an den Sätzen, die daraus entstehen, die ich sammeln, auswendig lernen, nie mehr vergessen möchte.
Einfach ein so feiner Mensch, der Herr Willemsen.

auseinander

118“Es ärgerte mich, dass sie mir einen Einblick in ihr Leben gab, das mir egal ist in seiner Belanglosigkeit. Es ist eine Dummheit zu glauben, Gefühle brächten einen näher, im Gegenteil, sie bekräftigen die Distanz zwischen den Menschen.”

aus: Glücklich die Glücklichen von Ysamina Reza

Kann man das essen?

olivenerde_3Kann man das essen?
Überraschungsmomente beim Essen zu schaffen, verschafft mir eine diebische Freude. So geschehen mit der Olivenerde. Eine Schicht Oliven, kleingehakt. Gehakt. Nicht aus Zeitersparnisgründen in den Mixer geben, denn das führt einzig und allein zu Olivenpaste und lehrt einmal mehr, dass es im Leben keine Abkürzungen gibt.
Also mit dem Messer und von Hand ganz fein haken. Bei 180 Grad im Ofen trocknen. Für zwei Stunden. Immer wieder wenden. Cornichos ebenfalls sehr klein hacken. Buchweizen für zehn Minuten rösten und unter die Oliven rühren. Das sind die Erdkrumen. Die Cornichos ebenfalls fein unterrühren. Sie geben der Erde den Anschein, dass sie gerade frisch umgegraben sei und lassen alles leicht fallen. Würzen.
olivenerdeDie Olivenerde ist im Geschmack sehr dominant. Eie Tasse mit kleingeschnittenem, gedünstetem Gemüse oder einer Kräutermousse bedeckt mit einer Schicht Olivenerde ist allerdings eine unschlagbare Kombination. Schnittlauch, einer abgeschnittenen Karotte, Radieschen oder Blumenkohl drauf setzen und das Ganze sorgt für den schönen Effekt.
olivenerde - Kopie (2)Kann man das essen?
Man sollte.
Denn das Auge isst mit, macht aber nicht satt.

aufgelistet: Nötigendes

481Aus dem Berliner Journal von Max Frisch gelesen, dem die Kommunikation fehlte, das Briefeschreiben:  “… Palaver schriftlich, Kumpanei auf Distanz, kein Aufwerfen einer Frage, die einen dazu nötigt, dass man sich einen Tag lang oder eine Nacht lang hinsetzt.”

Einiges, was zum Hinsetzen nötigen könnte.

  • Ich überlege, mich für die Insel zu bewerben
  • weil ich Garance so mag, mag ich diese ganze Rede. Sehr.
  • Sie mag ich auch sehr. Also ihre Bücher und konsequenterweise auch ihren Blog.
  • eine Rede übers Glücklichsein und warum es nicht immer wichtig ist.
  • und nein. Man kann sie nicht oft genug hören.
  • eine so gute Ansprache darüber, wie das funktioniert mit der Kreativität.
  • ein Artikel, der mich sprachlos hinterlassen hat. Sehnsüchtig, voller Achtung. Mittenrein.

ganz leise

025Es gibt Lieder, die nehmen mir den Atem. Sie lassen mich flacher Luft holen, weil sie so schön und zart sind, dass ich Angst habe etwas zu zerstören. So fragil wie eine Seifenblase, ein Rascheln, ein lautes Ausatmen wäre schon zu viel.

Frauen verlassen” von Kat Frankie ist so ein Lied. Ganz leise sein. Dieser ätherischen Stimme zuhören und warten bis mitten im englischen Liedtext das schöne Wort “Ernsthaftigkeit” auftaucht. Was nur konsequent ist, weil es doch so in und mit unserer Sprache verhaftet ist, dass keine Übersetzung ihm genügen könnte.

Für Please don´t give me what I want trifft das gleiche zu. Alleine des Titels wegen sollte man Luft holen, lächeln, hinhören und hin und weg sein. Tief Luft holen. Und dann nochmals von vorne abspielen.

 

Montagsmögen

montagsmag_33Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Klassische Cocktails. Trinken. Schreiben. Trinkend schreibend [1]. Egal, sieht gut aus mit diesen Bleistiften. Mindestens so gut wie Wildledershorts [2], die das Zeug zum Klassiker haben. Und ein Lied von einem, von dem ich mir wünschen würde, dass ihn mehr hören. Er hat etwas zu erzählen. Einer meiner persönlchen Klassiker.

über Butterbrot und Verzicht

050Brot mit Butter, Avocado, Pfeffer und Salz. Wie das geht, warum ich Butterbrote so mag, warum ich manchmal freiwillig verzichte und oft nicht – darüber habe ich bei matimuk geschrieben. In fünf Tagen lasse ich selbst das Butterbrot weg und gehe wieder fasten. Aber bis dahin, bis dahin werden noch viele Brote geschmiert.

grundlos

414 435 475 600Am Tag davor oder danach immer wieder die Frage nach dem warum.
Warum?
Weil es fast nichts Schöneres gibt, als Gastgeber zu sein, zu bewirten, ganz sorgsam zu sein in den kleinen Dingen und dann zu sehen, wie sie sich zusammenfügen und daraus einer dieser Abende entsteht, der nachhallt. Dagegen sind die schmerzenden Füße und der ziepende Rücken ein lächerlicher Passivposten in der Gesamtbilanz.
Die richtige Frage lautet: Warum nicht?

Papierparadies

_MG_9218 _MG_9220 _MG_9221 _MG_9223 _MG_9224Vom neuen Typehype in Berlin habe ich schon viel gehört und für alle, die den Weg dorthin finden, sollten die Straße noch ein Stück weiter herunter Richtung Volkstheater gehen. Dort gibt es den kleinen, feinen Laden Luiban. Mit allem, was man nicht braucht. Aber was so schön ist. Farbige Briefumschläge, Letterpresskarten, die schönen Füllfederhalter, von denen ich träume, Büroklammern in allen erdenklichen Formen, Maskingtape, Geschenkpapier und mehr muss ich nicht sagen.
In München gibt es das carta pura. Der Laden mit der schönsten Papierschaufensterauslage, die man sich vorstellen kann.

 

schön

137“Du starrst die schönen Frauen an und greifst dir unwillkürlich an die Frisur, richtest dein Kleid, was macht dich so nervös? Die Schönheit verliert an Schönheit, wenn sie nicht mit etwas anderem einhergeht, und wenn man zu dick aufträgt, erregt das nur Ekel. Hast du mal versucht, einen Löffel Öl zu essen oder eine Handvoll Salz?”

aus: Wörterbuch der Liebe von Giulia Carcasi

Montagsmögen

mag_233Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ein wenig rosa sehen [1], einfach mal machen. Mit dieser Jacke in blau [2] gelingt das sicher leichter. So leicht und frölich wie dieses schöne Lied.

Osterbacken

karottenkuchen - KopieNicht, dass es einen besonderen Anlass bräuchte zum Backen. Beziehungsweise den gibt es ja immer irgendwie. Irgendeiner hat immer Geburtstag (irgendwo auf dieser Welt). Aber jahrezeitliches und auf Festivitäten ausgerichtetes Backen ist doch etwas Besonderes. Vielleicht weil es nur zwei Mal im Jahr die Gelegenheit dazu gibt. Weihnachten (das hatten wir schon) und Ostern. Zwei Mal im Jahr für das ganze Land die Pflicht zum Familienbesuch, Montage sind Feiertage und bescheren uns lange Wochenenden, es gibt Ferien und wenn schon alle zusammen sind, dann wird herrlichst gespeist. Wobei bei Ostern, als quasi der kleinen Schwester von Weihnachten, alles etwas bescheidener ausfällt.

Nicht mit diesem Karottenkuchen. Der ist barockes Ostern, der ist praller gefüllt mit Nüssen, Äpfel und Karotten als jeder Nikolaussack und schöner geschmückt als mancher Weihnachtsbaum. Und doch frühlingshaft locker. Von leicht kann aufgrund des üppigen Butter- und Frischkäseeinsatzes keine Rede sein.

Aber es ist der schönste, leckerste Anlass zum Backen und der Kuchen für ein Osterfest, das den Namen wirklich verdient hat.

Das Rezept ist aus Aus Liebe zum Kochen und dem Blog photisserie.

karotte

ausgeleuchtet

021Wenn es die Wohlfühlblogs und Bilderbäder gibt, dann gibt es auf der anderen Seite der Skala das Buch Glücklich die Glücklichen von Yasmina Reza. Was nicht heißt, dass es sich nicht gut liest. Sehr gut sogar. Aber was da beschrieben ist und in Dialogen festgehalten, das sind die Momente, in denen ich eigentlich lieber nicht mehr hinsehen und hinhören möchte und dann oft das Thema wechsle. Wenn beim Abendessen mit Bekannten auf einmal die schöne Fassade einen kleinen Faserriss bekommt und am Tisch vor Fremden das ausgetragen wird, was eigentlich nur zu zweit besprochen werden kann. In diesem Moment schwenke ich zu unverfänglichen Themen. Und genau das sind die Momente, in denen Yasmina Reza nochmals nachlegt und alles ganz fein und säuberlich ausleuchtet. Sie seziert diese kleinen Alltagsexplosionen, die beiläufigen Gehässigkeiten, die gerade deshalb noch viel mehr schmerzen, weil sie so lange unter den Teppich gekehrt wurden und wenn das über Jahren angestaute dann auf einmal an die Oberfläche schwappt, dann tut es das ja meist mit einer Wucht, die einen umhaut und die an Schärfe nicht zu überbieten ist. So wie die Geschichte über ein Paar, das an der Käsetheke einen Streit entfesselt über die falsche Sorte Morbier. Und da wird sie ausgebreitet die ganze Unzufriedenheit des Lebens, der kalte Kampf um Schein und Ansprüche und Erwartungen und die bittere Realität.

Und ja, das sollte man lesen.
Auch wenn es weh tut.

“Ich sage, bitte, ich bleibe ruhig, bitte, ganz beherrscht, ich sehe mich mit Vollgas über eine Stadtautobahn fahren und in voller Lautstärke Sodade hören, ein Lied, das ich vor kurzem entdeckt habe und von dem ich nichts verstehe, nur die Einsamkeit in der Stimmer und das Wort Einsamkeit, das unendlich oft wiederholt wird, obwohl ich gehört habe, es bedeutet gar nicht Einsamkeit, sondern Sehnsucht, Mangel, Bedauern, Schwermut, lauter intime nicht mitteilbare Dinge, die Einsamkeit bedeuten, so wie der alltägliche Einkaufswagen Einsamkeit bedeutet, der Gang mit Öl und Essig und der Mann, der im Neonlicht seine Frau inständig bittet.”

“So ein Gefühl, das man auch als Paar haben kann, wenn der andere sich in sich selbst zurückzieht und man darin ein Vorzeichen des Verlassenwerdens sieht.”

“In diesem Augenblick stieg in mir ein Gefühl auf, ein echtes, wohlgemerkt.”