Montagsdienstagsmögen

Unbenannt-1Jeden Montag oder manchmal auch Dienstag: Zwei, die ich mag. Emerson Fry. Wie gut, dass sie nicht nach Deutschland liefert. Es ist klassisch, es ist grandios, es ist so, dass ich den gesamten Shop leerkaufen könnte. Ebenso zeitlos diese Uhr. Und so ein wenig zeitlos täte gerade ganz gut, da die Zeit verrinnt und viel zu schnell läuft und bald schon Weihnachten ist.

aufgelistet: Innenperspektive

006Zu Hause in der digitalen Welt bin ich. Das predige ich immer denen, die nur von außen betrachten und sich Urteile anmaßen. Aber als eine, die drin ist (und alt genug diesen schlechten Kalauer zu verstehen) und nicht wieder raus möchte, stelle ich mir doch immer wieder die Frage. Ob ich sie noch habe, die Kontrolle. Denn ich bin mir durchaus bewusst, dass ich sie nicht in der Hand habe und weiß darum, wie schnell man sie verlieren kann. Und was es mit mir macht, dieses alles. Noch suchend, immer hinterfragend, aber mittendrin, statt nur außen vor.

Nachdenkenswertes:

  • sieben Sünden. Die digitalen. Schon länger, immer, immer wieder gesehen. Jede einzelne. Und mich erkannt, manchmal ertappt gefühlt. Das süchtig-machenden Likes-Sammeln, das bestätigt Fühlen, das hier aber nicht da sein-Gefühl.
  • Andere sind immer schöner, klüger, glücklicher. Nur dass man jetzt noch so vielen mehr dabei zusehen kann und jeder seine 15 Minuten hat.
  • Optimier dich doch selbst, Du Opfer. Ein Text, der beschreibt, wozu es führen kann.
  • ein Lied, dass es gut zusammenfasst und das ich so gerne mag.
  • dieser Artikel auf Wired über eine, bei der die Ichs verschmelzen
  • ein Bericht über eine Abschlussarbeit, die zeigt, warum niemals alles so ist, wie es scheint
  • Und eine mögliche Antwort auf das alles. Die viel mehr Menschen lesen sollten.

Abendstudium für ein besseres Weltverständnis

032Ich habe es noch nicht ausgelesen. Aber wie sehr ich es schon jetzt mag. Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt, dieser Frau, die so schön ist und mit Paul Auster verheiratet und auf diese unglaublich Weise klug. Ich lese ihre Essays, einen nach dem anderen und schüttle immer den Kopf über ihr Wissen und ihre Neugier, was sie sich angelesen und angeeignet hat, wie sie verstehen will und begreifen, so unermüdlich wissensdurstig. Das lässt mich staunen. Immer wieder. Sie schreibt über das Lesen, neun Seiten lang und ich bleibe verwundert zurück, weil sie Aspekte beleuchtet und einen Blickwinkel wählt, der mich das, was ich zu kennen und zu wissen glaubte in anderem Licht sehen lässt. Die Essays, die kleinen Geschichten handeln nicht von den großen weltpolitischen Themen, sondern von Büchern, dem Verhältnis zur Mutter, über Blumen, über Frauen und Bildung oder Migräne. Sie tut dies mit einer unglaublichen Bildung, die so selten zu finden ist heute, vielleicht weil sie Zeit braucht. Sie verbindet ihr Wissen über Kunsttheorie, Literaturwissenschaften, Psychoanalyse, Philosophie und Neurowissenschaften, verknüpft dies und auf einmal erscheinen Alltäglichkeiten und Geläufiges in neuem Licht. Der Blumenstrauß auf dem Tisch ist nicht einfach mehr nur ein Blumenstrauß. Das Buch macht einen wieder zum Vierjährigen, der bei jedem Kieselstein fragt: Warum ist das so?

Das könnte jetzt alles sehr kompliziert machen, aber das tut es nicht. Weil sie bei den hinterfragten Alltäglichkeiten nicht abgleitet. Diese Kunst, die sie beherrscht, über die schreibt sie selbst am besten. In einem der Essays zitiert sie Beer, der ein Vorwort geschrieben hat für eine Einführung zu Autopoiesis and Cognition, die ich nicht kannte, von der ich nie gehört habe und auch nie lesen werde, aber sie hat es getan und darin stehen diese Sätze über das Expertentum, das so oft anzutreffen ist in unserer Zeit, nämlich, dass “ein Mensch, der Anspruch auf Wissen über irgendein kategorisierbares Stückchen Welt, wie klein auch immer, erheben kann, Wissen, das umfangreicher ist als das von sonst jemandem über dieses Stückchen, hat ausgesorgt: der Ruft wächst, die Paranoia ebenfalls. Die Zahl der Arbeiten nimmt exponentiell zu, das Wissen infinitesimal, doch das Weltverständnis nimmt eigentlich ab, weil die Welt in Wirklichkeit ein Interaktionssystem ist.” Siri Huvsted hat Weltverständnis, weil sie Disziplinen miteinander verknüpft, Verbindungen herstellt und damit dem, was Bildung im besten Fall sein könnte, näher kommt als sonst jemand. Und sie gibt es weiter.

Das könnte einschüchternd sein, ich könnte mich klein fühlen und schrecklich ungebildet, aber so ist es nie. Ihr Wissenshunger und Erkenntnisdurst lassen mich lesen und lesen, obwohl ich müde bin und schlafen sollte und manchem Gedanken auch gar nicht mehr folgen kann, aber egal, dann lese ich ihn am nächsten Tag nochmals. Immer mit offenem Mund und wacherem Geist.

Darüber musste ich schreiben. Ausgelesen haben werde ich es wahrscheinlich nie. Mit diesem Buch wird man nicht fertig.
Es gibt schließlich noch viel Welt zu verstehen.

zitronig auftanken

010Ausgewrungen wie eine Zitrone. Ein wenig leer. Antrieblos. Aber Tarte. Tarte geht immer.

Zitronentarte
[aus: Aus Liebe zum Kochen]

* 140 Gramm Butter
* 1 Prise Meersalz
* 75 Gramm Puderzucker
* 25 Gramm gemahlene Mandeln
* 1 Vanilleschote
* 1 Ei
* 200 Gramm Mehl
…………………………….
* 3 Zitronen
* 175 Gramm Butter
* 120 Gramm Zucker
* 2 Eier

Butter, Salz, Puderzucker und Mandeln schaumig rühren. Das Mark der Vanilleschote unterrrühren. Die Eier unterheben und zum Schluss das Mehl. Es soll gut verrührt sein, aber nicht überrührt. In Frischhaltefolie packen und über Nacht in den Kühlschrank.
Den Backofen auf 160 Grad vorheizen. Den Teig ausrollen und blind backen für ungefähr zwanzig Minuten.
Währenddessen die Zitronen schälen und die Zitronen auspressen. 120 Milliliter abmessen und mit dem Zucker, den Zitronenschalen und den Eiern unter Rühren aufkochen lassen. Die Hitze runterdrehen und kurz weiterrühren bis es andickt.
Durch ein Sieb pressen und den Sud gemeinsam mit der Butter cremig rühren.
Die Creme auf den ausgekühlten Teigboden gießen und für eine Stunde kühlen.

004006011Stück für Stück genießen und auftanken.

die Essenz

071“Was ich mir wirklich wünsche ist eine Frau, die sich freut mich zu sehen.” Der erste Satz einer Partnersuchanzeige. Da hat einer verstanden und offenbart, um was es eigentlich geht.

Montagsmögen

montagsmoegenJeden Montag: Zwei, die ich mag. Dieses Buch, so wundervoll im Layout und den Designer selbst natürlich auch. [1] Immer noch auf Cape-Suche, aber dieses könnte es sein. [2] Und ein Lied, das nicht zu laut, nicht zu leise, genau richtig ist.

Auf die Merkliste für immer

111Es gibt viele schöne Sätze in Okka´s Buch. Aber diese haben es mir besonders angetan. Keine Sätze streng genommen, sondern drei Punkte. Sie stammen aus einer Liste mit Dingen, die sie ihrem Kind irgendwann einmal zeigen möchte und diese drei sind so sehr meine. Ich habe sie auch auf meiner Merkliste für immer. Über all den Kleinigkeiten, möchte ich die großen nicht vergessen.

  • Wie grandios Faulheit ist.
  • Und wie grandios es ist, sich anzustrengen. Für das Eigene. Für das, was einem wichtig ist. Egal, wie weit man damit kommt.
  • Dass es nicht darauf ankommt, ob man ein Angsthase ist. Nur auf den Versuch, es in den wirklich wichtigen Dingen ein bisschen weniger zu sein.

die blödste und beste Idee überhaupt

7988117658_8c273f9018_oIch bin heute 30 Kilometer gelaufen. 42,195 hätten es sein sollen.
Das war die blödeste und beste Idee seit langem.
Ich war vollkommen unvorbereitet. Nicht ganz, ich habe Murakamis Buch über die Parallelen zwischen Laufen und Schreiben nochmals gelesen. Aber rein körperlich, habe ich weder Übungssequenzen eingehalten und seit fast einem Monat noch nicht einmal meine 10-km-Läufe geschafft, weil Beruf und Studium einfach zu viel waren. Eine Woche vorher hat mich dann noch eine Grippe vollkommen erwischt.

Aber ich hatte es mir in den Kopf gesetzt. Seit Jahren wollte ich einmal einen Marathon laufen. Hatte mir auch schon munter Trainingspläne heruntergeladen, aber dann kam immer das dazwischen, was eben so das Leben ist.

Dann bin ich gelaufen. Es war eine einzige Quälerei. Ich wusste, dass ich den Halbmarathon ganz okay schaffen würde und das alles danach ein Experiment wäre. Ich habe jeden Anfängerfehler gemacht, den man nur machen kann. Nichts abklebt, mit neuen Schuhen gelaufen, zu warm angezogen.
Aber ich bin gelaufen. Die letzten vier Kilometer eher gegangen und gehumpelt. Aber es war mir egal. Ich bin körperlich fertig, wie lange nicht. Meine Füße sind blutig aufgerissen, aber dieses Gefühl es trotzdem gemacht, das Beste gegeben, es versucht zu haben wiegt alles auf.

Ob ich es empfehlen kann? Nein, natürlich sollte man sich vorbereiten. Nein, natürlich sollte man vorher regelmäßig laufen gehen und Trainingspläne befolgen.  Aber ja, manchmal kann man das auch einfach sein lassen, den Moment nutzen, reingehen und schauen, wie weit man kommt. Ich bin die Meisterin im Pläne schmieden und Listen erstellen und verliere mich so oft in der Recherche, weil ich alles wissen will und es ganz genau machen. Nur wie oft ist man bestens vorbereitet, aber über das Planen geht es nicht hinaus.

 Frei nach John Bingham und danke Eni:
“the miracle isn´t that i (didn´t) finished.
the miracle is that i had the courage to start.”
Gilt nicht nur für das Laufen.

gesunde Mutterliebe und große Buchliebe

015Die Grippe hatte mich erwischt und ich war fertig wie lange nicht mehr. Glieder schwer, der Kopf dick, der Hals kratzt und jede kleine Bewegung einfach nur zu viel. Ans Bett gefesselt, weil alles andere zu anstrengend wäre. Alleine mit mir und dem Buch, dass ich gleich bestellt hatte, als ich davon erfahren habe. In zwei Tagen gelesen. Und genesen.

Ich glaube fest daran, dass dieses Buch Anteil daran hatte. Es wurde mir so warm ums Herz und ein klein wenig feucht in den Augen. Mutterliebe. Diese große, unumstößliche schwappt einem in voller Wucht entgegen und hüllt einen ein. Geborgenheit fühlen mit einem Buch. Dieses Gefühl, das man als Kind hatte an Samstagsabenden gebadet und eingewickelt in ein viel zu großes Badetuch, leicht matt vom heißen Wasser auf dem Sofa sitzend, meine Mutter in der Küche und mein Vater irgendetwas schreibend oder sortierend im Hintergrund ein Fußballspiel im Radio oder Barock-Musik. (Beides Dinge, die ich auch heute noch nur kurz hören muss, um hoffnungslos melancholisch zu werden) Diese Geborgenheit aus Kindertagen, in denen man noch nicht wusste oder ahnte, dass es nicht überall so warm und sicher und man selbst so gut aufgehoben ist,  scheint auf jeder Seite durch.

Das Buch zu lesen ist wie ein warmes Bad in diesem Gefühl von Geborgeneheit, von warmer, dicker Liebe und dem, was Familie sein kann, nämlich ein Ort, wo es gut ist, wie man ist, auch wenn man selbst gerade gar nicht gut drauf ist, sondern schrecklich nörgelig und sich selbst nur schwer ertragen kann.

Es ist ein so nahes Buch, weil Okka einen ganz nah heranlässt. Das ist nie peinlich berührt, sondern immer nur von dieser menschlichen Wärme. Ich kann so vieles verstehen. Die Sehnsucht nach Stunden alleine, das Gefühl des Alleine-Seins und der Moment, wenn es ins Verloren-sein abrutscht. Das sich verrennen im Streit, wenn ich mich selbst nicht leiden kann, ob meiner Kleingeistigkeit und weil ich grundsätzlich werde. Und dass sie den Film Beginners auch so mochte und jetzt bin ich wie ein verliebter Teenager, der nach Gemeinsamkeiten fahndet und diese dann als Zeichen für ewiges Glück wertet, aber so fühlt es sich an. Wie das Gespräch mit einer Freundin.

Es gibt entweder die Bücher, die das Muttersein hochjubeln und es gibt diejenigen, die Angst machen, weil es eine einzige anstrengende Grenzerfahrung zu sein scheint. Okkas Buch ist eines voller Liebe, Geborgenheit und Wärme. Es ist ehrlich, ungeschminkt. Und es macht heile.
Nach dem Buch will man nur eines: Ganz schnell ein Baby machen und eine Familie gründen.

dahinter sehen

034033032Roger Willemsen schreibt täglich zur Buchmesse und lässt einen so teilhaben an diesem Spektakel mit dem ihm so ganz eigenen Blick. Wie ich seinen heutigen Text aufgesogen habe. Er handelt nicht von Büchern, sondern von den Schreibenden. Und diese Achtung vor den Autoren, vor den Menschen hinter dem Geschriebenen, die würde ich mir so viel öfter wünschen und die lässt mich ihn noch mehr mögen, falls dies überhaupt möglich ist.

“Ich sitze am Tisch zwischen Menschen, die alle gute Gründe gefunden haben, ihr Leben Büchern zu widmen. Mein Glück liegt gerade darin zuzusehen, wie die Bücher aus ihnen heraus scheinen, die schon geschriebenen und die noch nicht entfalteten.

Judith Hermann spricht unangestrengt, doch bewusst, das heißt voller Skrupel. Auf die Weise, wie ihr Gedanken und Worte kommen, verrät sich selbst im Sprechen das jahrelange Arbeiten an haltbaren Sätzen. Sie muss eine ethische Provokation gewesen sein vor allem für Männer mit einem ordinären Verhältnis zu Sätzen.

…Und ich denke, selbst wenn diese Menschen und ihresgleichen scheiterten, unverstanden blieben, dann wären da eine Integrität und auch Zartheit, die sich im Binnenverhältnis zwischen diesen Schreibenden und ihren Stoffen, Themen und Büchern zeigen. Diese teilen sich mit, sie gehen hinaus und haben so gar nichts zu tun mit der Zudringlichkeit und der Brutalität der Kommentierung. Ihre Formen, die Welt zu lesen, verschränkten und beantworteten sich, unabhängig von der Schaumschlägerei des »Betriebs« auch auf der »Weltmesse der Kommunikation«. Es ging nicht um das, was diese Schreibenden können, sondern um das, was sie sind.”

ohne große Worte: Das Frühstücksei

077Lieblingsfrühstück derzeit. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Croque madame
[nach einem Rezept von hier]

* ungesundes Toastbrot. Die ganze Ladung Kohlenhydrate und Weizen
* 1 Ei
* etwas Butter
* 1/2 Esslöffel Greyerzer

Sauce Mornay
* 1/2 Esslöffel Butter
* 1/2 Esslöffel Mehl
* 100 Milliliter Milch
* 1/4 Teelöffel Dijon-Senf
* 1/4 Teelöffel Muskatnuss (gerieben)

Für die Sauce Mornay, die kann aber nicht muss einfach die Butter in einem Topf schmelzen. Das Mehl langsam einrieseln und alles zu einer glatten Mehlschwitze verrühren. Kurz abkühlen lassen. Die Milch langsam einrühren und den Topf wieder auf den Herd stellen. Senf und Muskatnuss einrühren und alles bei mittlerer Hitze nochmals zehn Minuten köcheln lassen. Dabei regelmäßig umrühren, damit die Sauce nichtansetzt. Ist die Sauce dick und cremig, den Topf vom Herd ziehen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Rinde vom Toastbrot entfernen und die Scheiben mit einem Nudelholz flach rollen. Von beiden Seiten mit flüssiger Butter bestreichen. Die Scheiben in eine Form legen und mit dem Boden eines kleinen Glases in die Form drücken. Das Ei in die Mulde füllen. Sind die Eier zu groß, nicht das ganze Eiweiß einlaufen lassen. Ein oder zwei Esslöffel der Sauce Mornay darübergeben. Mit Greyerzer und Pfeffer bestreuen. Im Ofen für fünfzehn Minuten backen, bis das Ei fest und das Brot kross ist.

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Montagsdienstagsmögen

montagsmoegenJeden Montag, manchmal auch am Dienstag: Zwei, die ich mag. Dieses Bild von Todd Jordan [1], so schlicht und ruhig und doch klar in der Sprache. Und ein neues Kochbuch [2]. Von Sunday Suppers, deren schöne und schlichte Essen, ich so mag.
Und statt eines Liedes, einen Satz wiedergefunden, den ich mir herausgeschrieben habe, der mich in seiner Klarheit und Schönheit berührt hat.

“Er fordert mich. Das ist eine Auszeichnung, so wie er es macht; er fordert nicht wie so viele Kluge, um sich bestätigt zu sehen, wenn der andere den Forderungen nicht genügt; er fordert mich aus Hoffnung.”

aus: Aus dem Berliner Journal von Max Frisch

wiedervereinigt

_MG_9620_MG_9623Ich bin zu spät dran. Aber das war ich schon damals. Was diese Wiedervereinigung bedeutet oder bedeuten könnte, habe ich erst in Südafrika verstanden. Mein Zimmer dort teilte ich mir mit zwei Südkoreanerinnen, die mir immer wieder sagten, dass es ihnen Hoffnung machen würde, was in unserem Land passiert, für ihr eigenes. Da war der Mauerfall schon fast zehn Jahre her.
Gestern musste ich wieder daran denken. Deutschlandfunk gehört, diese herrlich aus der Zeit gefallen Art des Radio und diese Ungeheuerlichkeit vielleicht wieder ein Stück mehr verstanden, die irgendwie an mir vorübergegangen ist, weil ich keine Berührungspunkte hatte in meinem Leben und einfach zu jung war.
Und immer noch kenne ich zu wenig und weiß zu wenig. Mit diesem Lied im Ohr und der Erinnerung an ein Buch komme ich ihm näher.
Besser spät als nie.

richtig gelegen

008Bilder deiner großen Liebe.
Natürlich schwingt das Wissen mit, um die Umstände unter denen es geschrieben wurde.
Aber nach ein paar Seiten passiert das, was schon in Tschik passierte. Wenn ich das Buch beiseite lege und raus muss in die Welt, dann scheint sie mir ein irgendwie freundlicherer Ort zu sein. Ich gehe zum Einkaufen und so abwegig scheint es gar nicht, den Mann der neben mir läuft und herzhaft in seine Brezel beißt, zu fragen, ob ich auch etwas abhaben kann. Ich spaziere ein wenig an der Isar entlang und das Glück wäre perfekt, wenn jetzt ein Binnenschiff vorbeikäme. Am Zeitungskiosk höre ich Gesprächsfetzen und denke an das Schild des taubstummen Heinrich oder Olaf, dass das meiste eh nur Geplänkel sei.
Und dann ist wieder das passiert, was manchmal passiert beim Lesen, dass ein Buch einen anders zurücklässt. Dass mich Sätze oder Worte noch Tage danach begleiten und die Stimmung mich nicht loslässt.
Es lebt etwas weiter.