Kann man das essen?

olivenerde_3Kann man das essen?
Überraschungsmomente beim Essen zu schaffen, verschafft mir eine diebische Freude. So geschehen mit der Olivenerde. Eine Schicht Oliven, kleingehakt. Gehakt. Nicht aus Zeitersparnisgründen in den Mixer geben, denn das führt einzig und allein zu Olivenpaste und lehrt einmal mehr, dass es im Leben keine Abkürzungen gibt.
Also mit dem Messer und von Hand ganz fein haken. Bei 180 Grad im Ofen trocknen. Für zwei Stunden. Immer wieder wenden. Cornichos ebenfalls sehr klein hacken. Buchweizen für zehn Minuten rösten und unter die Oliven rühren. Das sind die Erdkrumen. Die Cornichos ebenfalls fein unterrühren. Sie geben der Erde den Anschein, dass sie gerade frisch umgegraben sei und lassen alles leicht fallen. Würzen.
olivenerdeDie Olivenerde ist im Geschmack sehr dominant. Eie Tasse mit kleingeschnittenem, gedünstetem Gemüse oder einer Kräutermousse bedeckt mit einer Schicht Olivenerde ist allerdings eine unschlagbare Kombination. Schnittlauch, einer abgeschnittenen Karotte, Radieschen oder Blumenkohl drauf setzen und das Ganze sorgt für den schönen Effekt.
olivenerde - Kopie (2)Kann man das essen?
Man sollte.
Denn das Auge isst mit, macht aber nicht satt.

aufgelistet: Nötigendes

481Aus dem Berliner Journal von Max Frisch gelesen, dem die Kommunikation fehlte, das Briefeschreiben:  “… Palaver schriftlich, Kumpanei auf Distanz, kein Aufwerfen einer Frage, die einen dazu nötigt, dass man sich einen Tag lang oder eine Nacht lang hinsetzt.”

Einiges, was zum Hinsetzen nötigen könnte.

  • Ich überlege, mich für die Insel zu bewerben
  • weil ich Garance so mag, mag ich diese ganze Rede. Sehr.
  • Sie mag ich auch sehr. Also ihre Bücher und konsequenterweise auch ihren Blog.
  • eine Rede übers Glücklichsein und warum es nicht immer wichtig ist.
  • und nein. Man kann sie nicht oft genug hören.
  • eine so gute Ansprache darüber, wie das funktioniert mit der Kreativität.
  • ein Artikel, der mich sprachlos hinterlassen hat. Sehnsüchtig, voller Achtung. Mittenrein.

ganz leise

025Es gibt Lieder, die nehmen mir den Atem. Sie lassen mich flacher Luft holen, weil sie so schön und zart sind, dass ich Angst habe etwas zu zerstören. So fragil wie eine Seifenblase, ein Rascheln, ein lautes Ausatmen wäre schon zu viel.

Frauen verlassen” von Kat Frankie ist so ein Lied. Ganz leise sein. Dieser ätherischen Stimme zuhören und warten bis mitten im englischen Liedtext das schöne Wort “Ernsthaftigkeit” auftaucht. Was nur konsequent ist, weil es doch so in und mit unserer Sprache verhaftet ist, dass keine Übersetzung ihm genügen könnte.

Für Please don´t give me what I want trifft das gleiche zu. Alleine des Titels wegen sollte man Luft holen, lächeln, hinhören und hin und weg sein. Tief Luft holen. Und dann nochmals von vorne abspielen.

 

Montagsmögen

montagsmag_33Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Klassische Cocktails. Trinken. Schreiben. Trinkend schreibend [1]. Egal, sieht gut aus mit diesen Bleistiften. Mindestens so gut wie Wildledershorts [2], die das Zeug zum Klassiker haben. Und ein Lied von einem, von dem ich mir wünschen würde, dass ihn mehr hören. Er hat etwas zu erzählen. Einer meiner persönlchen Klassiker.

über Butterbrot und Verzicht

050Brot mit Butter, Avocado, Pfeffer und Salz. Wie das geht, warum ich Butterbrote so mag, warum ich manchmal freiwillig verzichte und oft nicht – darüber habe ich bei matimuk geschrieben. In fünf Tagen lasse ich selbst das Butterbrot weg und gehe wieder fasten. Aber bis dahin, bis dahin werden noch viele Brote geschmiert.

grundlos

414 435 475 600Am Tag davor oder danach immer wieder die Frage nach dem warum.
Warum?
Weil es fast nichts Schöneres gibt, als Gastgeber zu sein, zu bewirten, ganz sorgsam zu sein in den kleinen Dingen und dann zu sehen, wie sie sich zusammenfügen und daraus einer dieser Abende entsteht, der nachhallt. Dagegen sind die schmerzenden Füße und der ziepende Rücken ein lächerlicher Passivposten in der Gesamtbilanz.
Die richtige Frage lautet: Warum nicht?

Papierparadies

_MG_9218 _MG_9220 _MG_9221 _MG_9223 _MG_9224Vom neuen Typehype in Berlin habe ich schon viel gehört und für alle, die den Weg dorthin finden, sollten die Straße noch ein Stück weiter herunter Richtung Volkstheater gehen. Dort gibt es den kleinen, feinen Laden Luiban. Mit allem, was man nicht braucht. Aber was so schön ist. Farbige Briefumschläge, Letterpresskarten, die schönen Füllfederhalter, von denen ich träume, Büroklammern in allen erdenklichen Formen, Maskingtape, Geschenkpapier und mehr muss ich nicht sagen.
In München gibt es das carta pura. Der Laden mit der schönsten Papierschaufensterauslage, die man sich vorstellen kann.

 

schön

137“Du starrst die schönen Frauen an und greifst dir unwillkürlich an die Frisur, richtest dein Kleid, was macht dich so nervös? Die Schönheit verliert an Schönheit, wenn sie nicht mit etwas anderem einhergeht, und wenn man zu dick aufträgt, erregt das nur Ekel. Hast du mal versucht, einen Löffel Öl zu essen oder eine Handvoll Salz?”

aus: Wörterbuch der Liebe von Giulia Carcasi

Montagsmögen

mag_233Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ein wenig rosa sehen [1], einfach mal machen. Mit dieser Jacke in blau [2] gelingt das sicher leichter. So leicht und frölich wie dieses schöne Lied.

Osterbacken

karottenkuchen - KopieNicht, dass es einen besonderen Anlass bräuchte zum Backen. Beziehungsweise den gibt es ja immer irgendwie. Irgendeiner hat immer Geburtstag (irgendwo auf dieser Welt). Aber jahrezeitliches und auf Festivitäten ausgerichtetes Backen ist doch etwas Besonderes. Vielleicht weil es nur zwei Mal im Jahr die Gelegenheit dazu gibt. Weihnachten (das hatten wir schon) und Ostern. Zwei Mal im Jahr für das ganze Land die Pflicht zum Familienbesuch, Montage sind Feiertage und bescheren uns lange Wochenenden, es gibt Ferien und wenn schon alle zusammen sind, dann wird herrlichst gespeist. Wobei bei Ostern, als quasi der kleinen Schwester von Weihnachten, alles etwas bescheidener ausfällt.

Nicht mit diesem Karottenkuchen. Der ist barockes Ostern, der ist praller gefüllt mit Nüssen, Äpfel und Karotten als jeder Nikolaussack und schöner geschmückt als mancher Weihnachtsbaum. Und doch frühlingshaft locker. Von leicht kann aufgrund des üppigen Butter- und Frischkäseeinsatzes keine Rede sein.

Aber es ist der schönste, leckerste Anlass zum Backen und der Kuchen für ein Osterfest, das den Namen wirklich verdient hat.

Das Rezept ist aus Aus Liebe zum Kochen und dem Blog photisserie.

karotte

ausgeleuchtet

021Wenn es die Wohlfühlblogs und Bilderbäder gibt, dann gibt es auf der anderen Seite der Skala das Buch Glücklich die Glücklichen von Yasmina Reza. Was nicht heißt, dass es sich nicht gut liest. Sehr gut sogar. Aber was da beschrieben ist und in Dialogen festgehalten, das sind die Momente, in denen ich eigentlich lieber nicht mehr hinsehen und hinhören möchte und dann oft das Thema wechsle. Wenn beim Abendessen mit Bekannten auf einmal die schöne Fassade einen kleinen Faserriss bekommt und am Tisch vor Fremden das ausgetragen wird, was eigentlich nur zu zweit besprochen werden kann. In diesem Moment schwenke ich zu unverfänglichen Themen. Und genau das sind die Momente, in denen Yasmina Reza nochmals nachlegt und alles ganz fein und säuberlich ausleuchtet. Sie seziert diese kleinen Alltagsexplosionen, die beiläufigen Gehässigkeiten, die gerade deshalb noch viel mehr schmerzen, weil sie so lange unter den Teppich gekehrt wurden und wenn das über Jahren angestaute dann auf einmal an die Oberfläche schwappt, dann tut es das ja meist mit einer Wucht, die einen umhaut und die an Schärfe nicht zu überbieten ist. So wie die Geschichte über ein Paar, das an der Käsetheke einen Streit entfesselt über die falsche Sorte Morbier. Und da wird sie ausgebreitet die ganze Unzufriedenheit des Lebens, der kalte Kampf um Schein und Ansprüche und Erwartungen und die bittere Realität.

Und ja, das sollte man lesen.
Auch wenn es weh tut.

“Ich sage, bitte, ich bleibe ruhig, bitte, ganz beherrscht, ich sehe mich mit Vollgas über eine Stadtautobahn fahren und in voller Lautstärke Sodade hören, ein Lied, das ich vor kurzem entdeckt habe und von dem ich nichts verstehe, nur die Einsamkeit in der Stimmer und das Wort Einsamkeit, das unendlich oft wiederholt wird, obwohl ich gehört habe, es bedeutet gar nicht Einsamkeit, sondern Sehnsucht, Mangel, Bedauern, Schwermut, lauter intime nicht mitteilbare Dinge, die Einsamkeit bedeuten, so wie der alltägliche Einkaufswagen Einsamkeit bedeutet, der Gang mit Öl und Essig und der Mann, der im Neonlicht seine Frau inständig bittet.”

“So ein Gefühl, das man auch als Paar haben kann, wenn der andere sich in sich selbst zurückzieht und man darin ein Vorzeichen des Verlassenwerdens sieht.”

“In diesem Augenblick stieg in mir ein Gefühl auf, ein echtes, wohlgemerkt.”

aufgeräumt

173 Was in meinem Kopf kreist ist meist nicht sonderlich geordnet. Es springt wild hin und her. Und ich habe mir heute nicht die geringste Mühe gemacht, darin aufzuräumen. Dieser Post und jener waren der Auslöser.

Über perfekt und wahr, unordentlich und aufgeräumt, die Realität und den schönen Schein, das Internet und Wohnzimmer.

Gwyneth Paltrow schreibt einen Blog. Er heißt goop und es ist die perfekte-weiße-gesunde-wunderschön-alles-heile Welt. Mit Vsco lässt sich ein Filter über Fotos legen und auf einmal sehen sie nicht mehr so kalt und hart aus, sondern warm und weich einladend. So ist goop von Gwyneth Paltrow. Es ist die moderne Barbie-Welt, alles blitzeblank, die Frau schön und intelligent, sie kann kochen (und auch gleich ein Kochbuch schreiben), hat eine super Figur, zwei Kinder, ist beruflich erfolgreich und eine gute Mutter. Selbst so etwas Hässliches wie eine Scheidung hat in dieser Paltrow-Welt keinen Platz. Deshalb nennt sie es auch “concious uncoupling“, was als bewusste Trennung übersetzt werden könnte, wenn sie und Chris Martin gerade das Ende ihrer Beziehung verkünden.

Ich störe mich nicht daran. Ich lese diesen Blog manchmal gerne.
Weil ich ihn einordne, als das was er ist. Das Resultat journalistischer Arbeit. Wie Zeitschriften sind sie kein Abbild der Realität, sondern zeigen eine Wunsch- und Traumwelt. Und die mag ich. Nicht weil ich selbst so leben möchte, sondern weil es diese kleinen Auszeiten im Alltag gibt, in denen ich einfach nur schöne Bilder sehen möchte. “Ich bin mal kurz in der digitalen Welt”, hat ein Freund letzt gesagt, sich damit entschuldigt und auf dem Handy bei instagram und pinterest gesurft. Ein “Bilderbad nehmen” nenne ich es. Kurze zehn Minuten Auszeit (aus denen dann Stunden werden können) und eintauchen in schöne Wohnungen, gutes Essen, Welten. Ich weiß, dass das nicht die Realität ist, wie solche Fotos zustande kommen, dass jedes zufällig drapierte Küchentuch nicht ein Ausdruck dafür ist, dass da wirklich gekocht wurde, sondern das im nachhinein einer künstlichen Welt ein Anschein von Realität gegeben wird. Ich komme aber nicht auf die Idee, diese beiden Welten miteinander zu verwechseln. Das ab und an daran erinnert werden muss, zeigt mir, dass dieser Post gerade sehr gelobt wird.

Und daran, dass es gerade so etwas wie eine Gegenbewegung gibt. Garbage girls. Wobei ich den Unterschied zu den perfekten Bildern nicht sehe. Statt des weißen Cottage-Tisches wird hier eben Trash kunstvoll arrangiert. Da ist es dann nicht das Ergötzen am Schönen, sondern das Provozieren eines Ekelmomentes. Gab es schon einmal im Nachmittagsfernsehen-Messie-Hype vor ein paar Jahren.

Vielleicht denken wir, weil das Internet doch so viel näher ist und da “echte Menschen” dahinterstecken, dass ein Blog das wahre Abbild eines Lebens ist? Das “echte” Leben zeigt?
Das hier ist ein Ausschnitt. Ein Ausschnitt meines Lebens. Keine 24-Stunden-Kamera, die jede Ecke beleuchtet. Ich drücke bewusst auf den Knopf “veröffentlichen”. Und es gibt Momente, da tue ich es nicht. Manchmal, weil es einfach uninteressant ist. Wenn am Anfang des Bloggens die Kritik der Irrelevanz stand und sich darüber sogar Bücher schrieben liesen wie “no one cares what you had for lunch“, dann weil es vielleicht einfach stimmt, dass nicht jedes Gericht, das ich zu mir nehme, interessant ist (wobei ich gerade nahe dran bin bei instagram diese These zu widerlegen). Und manches wird nicht veröffentlich, weil es zu persönlich wäre, zu nah. Weil ich weiß, dass es das Internet ist und das hier auch Menschen lesen, die ich nicht kenne und solche die ich kenne, die aber nicht jede meiner Schwäche wissen müssen und sollen, weil ich sie beruflich kenne oder professionell oder schlicht und ergreifend, weil es mich jetzt schon manches Mal Überwindung kostet, jemanden zu treffen, der mich über den Blog kennt. Ich frage dann anfangs immer ganz viel, um diesen Informationsvorsprung, den ich dem anderen über mich mit diesem Blog gegeben habe, wieder auszugleichen. Es kostet mich manches Mal Überwindung, so viel zu zeigen.
Ich möchte mir ein Stück Schutzschicht bewahren, aber auch ehrlich sein und das was man gemeinhin authentisch nennt, aber das so leicht gesagt und so schwer gelebt ist.

Die Grenze wahre ich, durch manches nicht sagen. Weil dies kein Ort ist, um das Herz auszuschütten und das ganze Elend der ich-schaffe-heute-gar-nichts-Tage auszubreiten. Ich deute es an, wenn mir danach ist. Aber das volle Programm, das mache ich bei denen, denen ich direkt in die Augen sehen kann und die mich so kennen, dass sie einschätzen können, ob es gerade die Hormone sind, meine ewiges Zaudern und Zweifeln, mein Hang zur Melancholie oder etwas Ernsthaftes.

Ich lasse hier ein wenig einblicken, gewähre einen Blick ins Schlüsselloch. Lade ab und zu ein in mein Wohnzimmer. Über das Internet sind das dann mehr Menschen, als in Wirklichkeit reinpassen würde. Ich mache das, weil ich an “sharing is caring” glaube und dass, wenn man gibt, man so viel mehr zurückbekommt. Ich lade ein, weil ich so vieles über andere bekommen habe und etwas zurückgeben möchte, weil ich mich an “done is better than perfect” festhalte und hier schreibe und fotografiere, auch wenn das nicht mein Beruf ist, weil ich mir hier ohne Grenzen ausprobieren kann.

Jemand hat mir gesagt, dass er nur das schreibt, was er jedem auch bei ein oder zwei Bier erzählen würde. Und das ist vielleicht eine gute Grenze. Es sind sogar drei, weil ich am Anfang manchmal auch zur leichten Schüchternheit tendiere und so vieles, das man sich hier über mich zusammenlesen kann, mehrere Bierabende benötigen würde. Aber ich möchte teilen, über was ich nachdenke, was ich mag und das ist oft Schönes, manchmal Trauriges und Nachdenkliches (was auch wieder schön ist). Perfekt ist es nicht. Aber das ist niemand.

Ich glaube, es hängt auch damit zusammen, als was man Blogs betrachtet. Ob als Abbild einer Realität oder als Ausflug aus dem Alltag, als Bilderschaumbad. Das ist Realität, aber immer mit einem Filter. Da ist ein wenig Hudson drübergelegt und ein Weichzeichner. Weil es bei den zwei Bier geblieben ist. Es gibt genug Unperfektes, Unaufgeräumtes. Aber ich möchte Schönes sehen, das andere dabei nicht aussparen.

Diese falsche Koketterie des “Entschuldigt bitte, hier ist gar nicht aufgeräumt” beim Betreten der perfekt gesäuberten Wohnung oder des “Ich habe nur kurz etwas Kleines gemacht” beim Auftafeln des sieben Gänge Menüs  - die findet sich doch auch in dem, was man das “echte Leben” nennt und ist wahrlich kein Internet-Phänomen. Das ist zuviel Filter. Der steckt in mancher Designerwohnung, in manchem Auftritt und spricht für sich. Weil Hudson und nochmals Vsco drüber, macht mich eher misstrauisch, weil das wäre doch gar nicht nötig gewesen.

Auf der anderen Seite ist auch zu fragen, warum es  mich manches Mal doch berührt, das vermeintlich perfekte Leben der anderen. Martin Walser hat das mal über Leserbriefe gesagt, die er erhält. Dass ihm da Menschen immer sagen möchten, was er geschrieben hat, aber dass sie viel mehr darüber schreiben, was sie darin gelesen haben. Das Phänomen, dass das was man versteht und glaubt gehört zu haben, mehr über einen selbst aussagt, als über das Gesagte. Es trifft auch hier. Stört mich das vermeintlich Perfekte am anderen, weil ich selbst gerne so wäre? Und wer kann dann etwas dafür, der andere oder ich? Könnte ich bloggend die Verantwortung dafür übernehmen, wie es beim anderen ankommt?

Wenn ich die unaufgeräumten Ecken nicht zeige, dann nicht, weil es sie nicht gibt, sondern weil ich sie nicht jedem zeigen möchte. Über die perfekten instagram-Poster kann ich hinwegsehen, in ihnen blättern, wie in Zeitschriften. Weil ich weiß, dass ein Bild, in dem sich zwei Menschen im perfekten Lichteinfall am Seeufer fläzen, nicht mit dem ersten Auslöser festgehalten wird, sondern mindestens fünfzehn braucht. Wenn es dann noch die Bildunterschrift trägt “unser erster Abend seit Baby zu zweit”, dann will ich das zum Beispiel nicht. Manches Mal muss ich mich auch selbst wieder daran erinnern. Wenn ich merke wie ich unzufrieden bin beim Picknick am Isarufer, mich frage warum und dann feststelle, dass ich so ein Kinfolk-Arrangement im Kopf hatte und zwar die Wassertemperatur stimmt, aber der Treckingrucksack des Mannes und sein Shirt sogar nicht ins Bild passt. Die hat der Stylist aber nicht falsch rausgesucht, die sind in meinem Leben. Dann muss ich mich selbst kneifen und mir sagen, dass das aber real ist, zum Anfassen und damit um Welten besser. Wenn hier etwas verschwimmt, dann wird es gefährlich.
Das Leben übers Arrangieren vergessen, niemals mehr Wert darauf zu legen, wie etwas scheint, als was es ist. Das hat überhaupt und gar nichts mit dem Internet oder Blogs zu tun. Sondern ist eine Lebensaufgabe. Und solange ich es schaffe, mich und mein Leben nicht als Magazin zu inszenieren, aber schöne Momente festhalte und teile, mich zeige, ein wenig auch das Melancholische und Nachdenkliche in mir durchscheinen lasse, solange ist bei mir alles in bester Ordnung.